Muttermilch ist das Beste für Babys – gerade wenn die äußeren Umstände schwierig sind. Um dieses Bewusstsein zu fördern hat Sonja Liggett-Igelmund mit ihrem Verein „Meeting Bismarck – Gododo Ghana“ gemeinsam mit babyclub.de ein tolles Projekt ins Leben gerufen: Stillen für Afrika.

Aktion „Stillen für Afrika“: Jetzt mitmachen!

Milchpulver, angerührt mit Flusswasser?! Bitte nicht! Damit afrikanische Mütter Stillen wieder als selbstverständlich ansehen, setzt Hebamme Sonja Liggett-Igelmund auf Aufklärung und praktische Hilfe.

 

Muttermilch ist das Beste für Babys – gerade wenn die äußeren Umstände schwierig sind. Um dieses Bewusstsein zu fördern hat Sonja Liggett-Igelmund mit ihrem Verein „Meeting Bismarck – Gododo Ghana“ gemeinsam mit babyclub.de ein tolles Projekt ins Leben gerufen: Stillen für Afrika. Medela unterstützt das Projekt und spendete eine Symphony Milchpumpe samt 60 Pumpsets. Und auch du als Mutter kannst helfen! Wie das geht und worum es in Ghana genau geht erklärt Sonja Liggett-Igelmund im Interview:

 

Aktuell werden nur 40 Prozent aller Säuglinge in Afrika voll gestillt. Warum ist Stillen dort nicht selbstverständlich?

Wenn Frauen in Ghana stillen, dann tun sie dies meist ganz ohne Probleme, völlig natürlich, egal wo sie sind. Diese Frauen gelten aber als altmodisch. Denn der Rest der Mütter wird von zwei Seiten beeinflusst: Zum einen von riesigen Werbeplakaten, die speckige – und damit in ihren Augen vor allem gesunde – Babys zeigen und Milchpulver mit dem Slogan „das Beste für Ihr Baby!“ bewerben. Die Eltern glauben das. Dasselbe ist bei uns übrigens in den 70er Jahren passiert… Das zweite große Problem sind Filme oder Bilder aus den Industrieländern, in denen Babys immer mit Fläschchen zu sehen sind. Gerade in amerikanischen Filmen sind überhaupt keine stillenden Mütter zu finden. Also denken viele afrikanische Frauen wenn diese Mütter die Flasche geben, dann muss das das Beste auf der Welt sein! Verdienen sie also ein klein wenig besser, kaufen sie Milchpulver. Je nachdem welches Wasser sie dann zum Anrühren nehmen, folgt ein „russisches Roulette“.

 

Wie meinen Sie das?

Je nachdem, wo die Familien wohnen, nehmen sie schlimmstenfalls Flusswasser um das Milchpulver anzurühren. Das ist natürlich schlimm, denn darin können Keime enthalten sein, gegen die kein Nestschutz etwas ausrichten kann. Das Neugeborene wird richtig krank, bekommt Durchfall und stirbt. Die Säuglingssterberate in Ghana ist sehr hoch.

 

Wie sind denn die Hebammen in Ghana zum Thema Stillen ausgebildet? Können sie die Mütter nicht überzeugen?

Sie sind gut ausgebildet und wissen wie wertvoll Muttermilch ist. Sie singen dort mit den Frauen sogar Lieder über das Stillen. Es gibt aber insgesamt leider viel zu wenige Hebammen oder Stillberaterinnen – und die Werbung ist übermächtig. Mein Schlüsselerlebnis dazu war in einem Kölner Kreißsaal: Eine Frau aus Nigeria hatte gerade ihr drittes Kind geboren, als sie, obwohl sie später schon noch Stillen wollte, direkt nach einem Fläschchen verlangte. Ich erklärte, dass ich gerade aus Ghana kam und es dort sogar Lieder über das Stillen gibt, weil das so gut ist. Sie antwortete nur: Ja, die leben eben im Mittelalter. Das erklärt eigentlich alles… Mit unserem Verein „Meeting Bismarck“ unterstützen wir deshalb Hebammen und fördern deren Ausbildung – damit es möglichst viele Hebammen gibt, die eben das Wissen über das Stillen weitertragen.

 

„Meeting Bismarck“ – wie kam es zu diesem, ungewöhnlichen Namen?

Er war das erste Baby dem ich 2011 in Ghana auf die Welt geholfen habe! Wir haben noch immer häufig Kontakt zu ihm. Bald wird er schon eingeschult. Bei seiner Geburt habe ich seiner Mutter übrigens immer wieder die Hand gehalten, wie ich das eben auch in Deutschland mache. Aber Bismarcks Mutter hat sich nicht getraut einer weißen Frau die Hand zu drücken, ich habe sie so also eigentlich eher in eine missliche Lage gebracht… das habe ich aber leider erst im Nachhinein realisiert.

 

Wie unterscheidet sich denn die Geburtshilfe in Ghana von der in Deutschland?

Sie ist sehr abenteuerlich. Von den Hebammen, die nur Hausgeburten machen, würde ich mir manchmal gerne eine Scheibe abschneiden. Die wissen, was sie tun, entbinden an den entlegensten Orten Kinder mit den bloßen Händen, ohne Probleme. Auf der anderen Seite musste eine Kollegin von mir aber Hebammen und Ärzte in einem Lehrkrankenhaus in Ghana darin schulen, wie man ein Baby beatmet. Atmet ein Neugeborenes nach der Geburt nicht, überlässt man es dort sonst einfach seinem Schicksal. Und dann unterscheiden sich die Bedingungen im Kreissaal sehr von denen in Deutschland: Die werdende Mama liegt auf einer schlichten Liege. Muss sie auf Toilette, muss sie sich auf eine Bettpfanne hocken, denn richtige Toiletten gibt es kaum. Außerdem muss sie alles von zuhause mitbringen: Bettlaken, Binden, Essen, Kleidung für das Baby. Ich persönlich fand es sehr schön erleben zu dürfen, wie Frauen dort Kinder bekommen – ganz natürlich, ohne Schnickschnack. Es gibt dort zum Beispiel keinen Ultraschall, also haben wir die Herztöne von Bismarck im Bauch mit einem Holzrohr abgehört. Seine Mutter hat sich auf den Fußboden gehockt und dort wurde er dann auch geboren. Sie hat ihn gleich gestillt und am nächsten Tag sind sie nach Hause gegangen.

 

Wie wird mit Stillproblemen im Krankenhaus umgegangen? 

Bismarck war das fünfte Kind – seine Mama hatte also ziemlich viel Erfahrung und das Stillen hat gut geklappt. Aber auch sonst habe ich dort kaum Stillprobleme erlebt. Natürlich haben afrikanische Frauen einen großen Vorteil: Dank der dunklen Haut sind die Brustwarzen sehr unempfindlich. Frauen mit roten Haaren und heller Haut haben es da ja am schwersten. Probleme gibt es eher, wenn ein Kind zu früh auf die Welt kommt, sehr schwach ist oder die Mutter nach der Geburt stirbt. Ist die Familie arm, wird es kaum durchkommen. Gerade für Waisenkinder kann die Milchpumpe wie die Symphony deshalb ein Segen sein. Man könnte zum Beispiel eine Frauenmilchbank aufbauen! Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg und wir müssen einen Schritt nach dem anderen gehen.

 

Was steckt hinter der aktuellen Aktion „Stillen für Afrika“ und was können unsere Blog-Leser tun, wenn sie Ihr Team bei Ihrer

Arbeit unterstützen möchten?

Hinter der Aktion „Stillen für Afrika“ steckt vor allem der Aufruf ein „Brelfie“ zu schicken: Also ein Selfie, das die Mutter beim Stillen zeigt. Wir hoffen auf viele viele Bilder von Müttern aus aller Welt, die zeigen, wie wichtig und toll Stillen ist! Dann machen wir daraus ein Poster, das beweist, dass Frauen stillen –  egal welche Hautfarbe sie haben und wo sie leben. Und das zeigen wir dann den Müttern in Ghana! Also bitte sehr gerne bis 1. September 2017 ein Brelfie an babyclub.de schicken! Natürlich freuen wir uns auch sehr über Geldspenden, die unser Projekt unterstützen. Alle Infos dazu stehen auf der Seite  von „Meeting Bismarck“. Wer unsere ganze Geschichte nachlesen und Bilder anschauen möchte, kann auch gerne meinen Blog besuchen!

 

Sonja Liggett-Igelmund gründete den Verein "Meeting Bismarck - Gododo Ghana" mit dem sie heute viele verschiedene Projekete in Ghana unterstützt – von der Geburtshilfe bis hin zur Schulbildung.

 

Sonja Liggett-Igelmund (hier im Lehrkrankenhaus von Hohoe) war 2011 im Rahmen von WDR-Dreharbeiten zum ersten Mal für 10 Tage in Ghana. Die Kontakte, die sie dort knüpfte rissen nicht ab und mündeten schließlich in der Gründung des Vereins „Meeting Bismarck – Gododo Ghana“ mit dem sie heute viele verschiedene Projekete in Ghana unterstützt – von der Geburtshilfe bis hin zur Schulbildung.