Baby-Business: Beruflicher Neustart nach der Elternzeit

Ein Baby verändert die Perspektive – und inspiriert zu ganz neuen Ideen. Anna Orlinski gründete in ihrer Elternzeit ein Label für Stillmode. Wie sie das trotz Schlafmangel und Stillzeit geschafft hat und welche Chance sie in der Elternzeit sieht, erzählt sie im Interview.

 

Anna, du warst in deiner Elternzeit unglaublich aktiv und hast dein eigenes Unternehmen gegründet. Wie hast du das bloß trotz schlafloser Nächte geschafft?

Das frage ich mich heute ernsthaft auch! Es müssen die Hormone gewesen sein, denn die erste durchgeschlafene Nacht hat bei uns zweieinhalb Jahre auf sich warten lassen. Ein Stück weit war aber auch meine Ungeduld für die frühe Gründung mitverantwortlich. Wenn eine Idee sich in meinem Kopf festgesetzt hat und ich Feuer gefangen habe, dann kann ich es nicht auf die lange Bank schieben. Dabei hat mir der Schlafentzug sogar ziemlich zugesetzt! Ich kann mich gut organisieren, aber ich benötige mindestens 8 bis 9 Stunden Schlaf. Das war schon eine körperlich stark fordernde Zeit, zumal ich mit meinem Baby ziemlich alleine da stand. Die Großeltern lebten weit entfernt und der Papa war beruflich sehr stark eingebunden. Mein Sohn Mark verlangte außerdem in den ersten Monaten sehr viel Körperkontakt. Da stellte das Duschen am Morgen schon eine Herausforderung dar. Gekocht, geputzt und gebügelt habe ich immer mit Baby im Tragetuch. Ich würde sagen, ich kann ganz gut improvisieren. In dem ersten Babyjahr habe ich diese Eigenschaft allerdings perfektioniert.

 

Wie bist du auf die Idee mit der Stillmode gekommen?

Die Idee zu meinem Label Mania Stillmode ist aus Eigenbedarf entstanden. Wir lebten mitten in Frankfurt und ich liebte es mit Mark viel spazieren zu gehen – da schlief er nämlich gerne und viel. Der Gedanke in der Öffentlichkeit zu stillen bescherte mir jedoch ein unbehagliches Gefühl. Ich finde Stillen absolut wichtig und ja, es ist das Natürlichste der Welt. Trotzdem wünschte ich mir etwas Intimsphäre, wenn ich mein Baby in der Öffentlichkeit an der Brust hatte. Also fragte ich Google, welche Lösungen es für diskretes Stillen so gibt. Die amerikanischen Stillschürzen, die mir vorgeschlagen wurden, lösten wenig Begeisterung bei mir aus, weckten jedoch die Idee, wie es aussehen könnte, damit ich mich damit wohl fühle. Gedacht, getan: Zusammen mit meiner Mutter entwickelte ich die Idee weiter, wir nähten aus schönen Stoffen meinen ersten Stillschal. Das was danach geschah, war unheimlich spannend. Ich wurde praktisch täglich, ob im Café, im Park oder im Einkaufscenter auf diesen Stillschal angesprochen. Wie toll und praktisch dieser wäre und wo man diesen erwerben könnte. Auch andere Mütter schienen also das Problem zu kennen und fanden meine Lösung super. Diese Frauen wurden meine ersten Kundinnen.

 

In deinen alten Job wolltest du gar nicht zurück?

Mein Job als Projektmanager im Bereich Personalentwicklung erforderte bundesweite Mobilität und setzte auch hohes zeitliches Arbeitspensum voraus. Mit einem Kleinkind wäre es schlichtweg nicht vereinbar gewesen. Es gab durchaus Alternativen bei meinem Arbeitgeber, die umsetzbar gewesen wären. Aber die Idee, alles auf eine Karte zu setzen und mich dem Thema Stillmode zu widmen, ließ mich nicht mehr los.

 

Wie ging deine Unternehmensgeschichte dann weiter?

Recht schnell ergänzte ich Stillschals um eine kleine Stillmode-Kollektion. Denn auch hier merkte ich, dass die auf dem deutschen Markt angebotenen Produkte nicht meiner Vorstellung entsprachen. Die Unternehmen versuchen die Zeit der Schwangerschaft mit der Zeit der Stillzeit zu verbinden. Das Ergebnis sind Kleidungsstücke, die weder der einen noch der anderen Zielgruppe gerecht werden. Ich wünschte mir Blusen, Tops und Kleider, die hübsch und praktisch zugleich sind, aus schönen Materialien und dennoch pflegeleicht. Im Bauchbereich zusätzlicher Stoff war nach den ersten Wochen nicht mehr notwendig, dafür raffiniert eingearbeitete Brustzugänge. Dieses Jahr haben wir uinser Sortiment um praktische Stillhelfer ergänzt. Stillshirt-Halter, die aus jedem Oberteil ein Stilloberteil machen oder Stillmerker, die Mama eine Erinnerungshilfe sind. Da ich in einigen Wochen das zweite Baby erwarte und meine Blusen durch den größer werdenden Bauch langsam etwas zu kurz werden, haben wir ab sofort auch pfiffige Bauchbänder im Sortiment. So lässt sich die Lücke zwischen Bluse und Hose stilvoll kaschieren. Ich bin schon sehr gespannt auf welche weiteren Ideen mich Baby Nr. 2 noch bringen wird!

 

Was rätst du Mamas die gerade in ihre Elternzeit starten?

Sich auf das, was kommt unheimlich zu freuen! Es ist wie eine bunte Überraschungstüte. Wir wissen nicht was uns erwartet, aber WOW-Momente sind garantiert! Auch wenn wir das bis zu Geburt nicht wahrhaben wollen – nichts mehr wird so sein, wie vor dem Baby. Das eröffnet wiederum neue Möglichkeiten. Wir steigen aus dem Hamsterrad des Berufslebens aus, haben Zeit uns Gedanken darüber zu machen, wie es weiter gehen soll. Sollte das Leben mit Baby schwer mit dem bisherigen Berufsleben vereinbar sein, kann ein Coach helfen zu verdeutlichen, wie Alternativen aussehen könnten. Was wollte ich schon immer machen, wofür kann ich mich begeistern? Und ja, vielleicht begegnen wir in dieser neuen Lebensphase Themen, die uns auf neue Ideen bringen. An dieser Stelle wünsche ich allen Müttern Mut: Mut Dinge auszuprobieren und Mut Neues zu wagen! 

 

 

Anna Orlinski gründete 2012 nach der Geburt ihres Sohnes Mark das Modelabel Mania Stillmode. Neben der Führung des Unternehmens ist Anna auch als Berufscoach tätig.

 

 

 

 

 

 

Überlegst du auch nach der Elternzeit beruflich neue Wege zu gehen? Erzähl uns davon und schreib uns gerne unter kontakt@medela.de oder besuche uns bei Facebook.