Hebammen in Uganda, 3 Störche für Uganda

Drei Hebammen in Uganda: „Ein kleines Wunder!“

Was für ein Berufsstart! Seit einem guten Monat arbeiten Adriana, Lena und Kassiopeia nun im Geburtshilfehaus in Uganda und erlebten gleich ein echtes Wunder. Hier kommt ihr Bericht:

„Seit unserer Ankunft in Atiak haben wir uns gut in die Arbeit im Geburtshaus eingefunden – mit allen Höhen und Tiefen, die sie mit sich bringt. Schwangerenvorsorge und Geburten sind im Geburtshaus reine Hebammenaufgaben – Ärzte arbeiten hier nicht. Unser Stundenplan ist voll: Wir arbeiten entweder tagsüber von 8 – 20 Uhr oder nachts von 20- 8 Uhr. Was uns gleich auffiel: Die hiesige Geburtsarbeit inklusive Hygienemaßnahmen und zur Verfügung stehender Medikamente ist unserer in Deutschland ähnlicher als wir dachten. Herausforderungen gibt es dennoch genug.

Ein kleines Wunder

Eine Frau kam in der 22. Schwangerschaftswoche zu uns. Sie hatte Fieber und fühlte sich nicht wohl. Wir testeten sie auf Malaria und gaben ihr Medikamente, um das Fieber zu senken. Die Schwangere fühlte sich bald besser, meldete sich aber bereits am Morgen darauf mit Wehen. Erschrocken stellten wir bei der Untersuchung fest, dass sich der Muttermund bereits vollständig geöffnet hatte – die Geburt stand kurz bevor! Da Babys in dieser Schwangerschaftswoche nicht überlebensfähig sind, rechneten wir damit, das Kind verabschieden zu müssen. Beim Betrachten des Bauches wunderten wir uns aber, da er uns deutlich größer erschien. Als das Kind dann geboren wurde, waren wir positiv überrascht: Das kleine Wunder war größer als erwartet! Es war ein großes, überlebensfähiges Kind, das in der Lage war, selbstständig zu atmen. Nicht nur die einheimischen Hebammen und wir waren überrascht und überglücklich, sondern vor allem natürlich die Mutter – sie hatte ja schon damit gerechnet, ihr Kind zu verlieren. Das kleine Mädchen wurde dann passenderweise auch „Wunder“ getauft (in der Sprache der Einheimischen: „Lagum“).

Eine Kinderklinik ohne Intubationsgerät

Wer in der Geburtshilfe arbeitet weiß: Komplikationen bleiben nicht aus und Trauer gehört dazu. Tritt ein Notfall ein, müssen wir die Mutter und/oder das Neugeborene in die 60 Minuten entfernte Klinik nach Gulu verlegen. Solche Verlegungen haben wir in der Zwischenzeit schon einige erlebt – darunter auch eine, die leider traurig endete: Wir verlegten ein Neugeborenes, das auf dem Weg zu uns ins Geburtshaus geboren wurde und leblos zu uns kam. Wir begannen sofort damit, den kleinen Jungen zu reanimieren. Aber obwohl sein starkes Herz darauf schnell reagierte, konnte dem Baby in der Klinik leider nicht geholfen werden, da die Lunge ihre Funktion nicht selbstständig aufnehmen konnte und es dort keine Möglichkeit gibt, Kinder zu intubieren und sie so zu beatmen. Wir waren sehr bestürzt über den Verlust dieses kleinen Lebens, vor allem über die Tatsache, dass das Überleben dieses Kindes an einem Gerät, welches in Deutschland zur Grundausrüstung jeder Kinderklinik gehört, scheiterte!

Frühgeburten sind häufig

Es gibt hier in Uganda eine hohe Rate an Frühgeburten. Das hängt unmittelbar mit dem Leben und der Arbeit der Frauen zusammen: Viele arbeiten als Bauern, die vor allem in der Regenzeit damit beschäftigt sind, neues Gemüse anzubauen. Während der harten Arbeit gönnen sie sich nur selten eine Pause und auch das Trinken vernachlässigen sie oft. Es kommt nicht selten vor, dass sich Frauen bei uns mit Ziehen und Schmerzen im Bauch melden. Wir empfehlen ihnen vor allem, sich mehr auszuruhen und immer wieder Pausen zu machen. Da sie jedoch ihren Lebensunterhalt durch diese Arbeit sichern, können sie unserer Empfehlung leider viel zu selten folgen.

Stillen ist selbstverständlich, Verhütung nicht

Die Frauen in Uganda bekommen oft schon in jungen Jahren ihr erstes Kind, und es ist keine Seltenheit, eine Frau bei der Geburt ihres 7. Kindes zu betreuen. Das Stillen hat hier hohes Ansehen und ist eine Selbstverständlichkeit. Stillprobleme gibt es hier so gut wie gar nicht. Dafür erwarten uns neue Aufgaben: Da im Geburtshaus in Atiak ausschließlich Hebammen arbeiten, übernehmen wir hier auch Tätigkeiten, die in Deutschland ausschließlich von Ärzten durchgeführt werden. Dazu zählen jegliche Verhütungsmethoden. Die Hebammen hier legen Kupferspiralen, verabreichen die Dreimonatsspritze oder verschreiben die „Pille“. All diese Methoden stehen Frauen in Uganda kostenlos zur Verfügung, werden jedoch relativ selten genutzt, da viele Frauen schlecht aufgeklärt sind oder einfach Angst haben – vor den Nebenwirkungen oder aufgrund der Familiensituation. Die gesamte Vor- und Nachsorge sowie die Geburt kosten die Frauen im Geburtshaus übrigens 5000 Schilling, was umgerechnet ungefähr einem Euro entspricht. In der Klinik liegen die Kosten deutlich höher, und die Versorgung dort ist weniger individuell. Frauen gebären hier alle gemeinsam in einem Raum und sind nur durch einen dünnen Vorhang voneinander getrennt.“

Neugierig geworden? Wir freuen uns schon auf den nächsten Bericht von Adriana, Lena und Kassiopeia, demnächst auf medela-blog.de!

Mehr über die drei jungen Hebammen und ihr Uganda-Projekt, erfährst du hier.