Stillen und trotzdem als Flugbegleiterin arbeiten geht - eine Düsenmutti erzählt.

„Ich bin eine Düsenmutti“

Als Flugbegleiterin arbeiten mit Stillbaby - eine Düsenmutti erzählt wie sie das alles unter einen Hut bekommt.

Düsenmutti Barbara Neubauer - Flugbegleiterin mit Stillbaby.

 

 

Barbara Nebauer, 32, hat zwei kleine Kinder und einen ganz besonderen Job: Sie arbeitet als Flugbegleiterin. Hier erzählt sie, wie sie Beruf und Familie sogar mit einem Stillbaby unter einen Hut bekommt und was das Tolle daran ist, eine Düsenmutti zu sein.

 

 

 

 

„In dem Job kannst du Familie und Kinder vergessen!“ Solche Sätze bekam ich früher öfters zu hören, wenn ich von meinem Beruf erzählte. Ich bin Flugbegleiterin und das ist mein absoluter Traumberuf. Ich liebe es, durch die Welt zu fliegen, neue Länder und Menschen kennenzulernen. Trotzdem wollte ich Familie. Heute bin ich zweifache Düsenmutti.

 

Düsenmuttis – so nennen sich in einer Facebook-Gruppe Kolleginnen und Kollegen bei meinem Arbeitgeber Lufthansa, die Flugbegleiterin oder Flugbegleiter sind und Kinder haben. Und das sind eine ganze Menge: Etwa 2000 Düsenmuttis gibt’s bei der Lufthansa. Auf Facebook haben wir eine Gruppe, in der wir uns gegenseitig austauschen, Tipps und Ratschläge geben – übers Stillen und Abstillen genauso wie über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es ist eine herzliche und fürsorgliche Gemeinschaft. Einmal schrieb eine Frau beispielsweise von ihrem krebskranken Kind. Sofort haben andere Düsenmuttis ihre Hilfe angeboten und sogar eine Spendenaktion ins Leben gerufen. In kürzester Zeit kamen 10.000 Euro zusammen!

 

Es gibt mehr Düsenmuttis als gedacht

Weil die Düsenmuttis so nett und hilfsbereit sind, hatte ich auch nie Angst vor der Vereinbarkeit von Job und Familie. Als ich die große Anzahl an Gruppenmitgliedern auf Facebook sah und merkte, wie viele Frauen mit Kindern weiterhin als Flugbegleiterin arbeiten, wusste ich: Das kriege ich auch hin!

 

Mittlerweile habe ich zwei Kinder: Sophia ist gut zwei Jahre alt und Felix gerade mal neun Monate. Bei beiden habe ich nur sieben Monate Elternzeit genommen und dann wieder angefangen zu arbeiten – obwohl ich beide Kinder gestillt habe und Felix immer noch nicht abgestillt ist. Trotzdem wollte ich möglichst bald wieder arbeiten. Sicherlich liegt das auch daran, dass man als Flugbegleiterin mit Beginn der Schwangerschaft Beschäftigungsverbot hat. Zunächst war es reizvoll, so viel frei zu haben. Aber ich arbeite unheimlich gerne und mein Job hat mir mit der Zeit sehr gefehlt.

 

Natürlich hatte ich vor meinem ersten Flug schon etwas Angst: Wird das klappen? Kommt mein Mann alleine zurecht? Vor allem unser Kleiner ist ein Kuschelbär und liebt es, nachts an meiner Brust zu nuckeln. Letztendlich ist das auch die einzige Methode, ihn zu beruhigen. Das bereitete mir Sorgen. Was, wenn er nachts schreit und sich nicht von meinem Mann beruhigen lässt?

 

Stillen und Flugbegleiterin sein lässt sich vereinbaren

Durch den regen Austausch in unserer Facebook-Gruppe wusste ich: Stillen und als Flugbegleiterin zu arbeiten – das funktioniert! Ich habe dann meine Ängste beiseite geschoben und einfach losgelegt. Und siehe da: Als ich meinen ersten Flug nach Charlotte in North Carolina hatte und drei Tage weg war, klappte alles reibungslos. Ich habe abgepumpt und er nahm das Fläschchen! Überhaupt hat mein Mann das alles toll hingekriegt. Er arbeitet auch bei der Lufthansa als Pilot und immer, wenn ich fliege, bleibt er zu Hause und hütet die Kinder. Ich arbeite Teilzeit, habe eine halbe Stelle. Insgesamt zehn Tage im Monat muss ich arbeiten mit maximal 42 Flugstunden. Das hört sich viel an, aber vor allem wenn man wie ich Langstrecken-Jobs mag, hat man im Nu seine zehn Arbeitstage im Monat beisammen. Bei den Langstreckenflügen wie etwa nach San Francisco, Peking, Shanghai oder Tokio habe ich immer vor Ort einen Tag frei. Gerade jetzt, als Mama, genieße ich das unheimlich. Einfach mal mit den Kollegen nach der Landung in L.A. nett essen zu gehen, mal in Ruhe in New York bummeln gehen oder sich eine Massage gönnen – was für ein Luxus als Mama von zwei kleinen Kindern!

 

Anfangs hatte ich zwar schon ein schlechtes Gewissen und fühlte mich als Rabenmutter, weil ich so kurz nach der Geburt wieder angefangen habe, zu arbeiten. Mittlerweile habe ich aber meinen inneren Frieden mit mir geschlossen. Mein Mann ist ja immer bei den Kindern, wenn ich nicht zu Hause bin. Und dadurch, dass er so viel Zeit allein mit den Kindern verbringt, ist das Verhältnis vor allem zu unserer großen Tochter schon jetzt sehr intensiv und innig. Und mir selbst tut es auch gut, wenn ich mal ein paar Tage rauskomme. Ich bin viel ausgeglichener und freue mich jedes Mal wahnsinnig, wieder nach Hause zu kommen. Natürlich tut es auch unserer Beziehung gut, wenn wir nicht ständig zusammenglucken und uns ausschließlich über Kinder und Erziehung unterhalten. Klar, manche Flüge sind vor allem aufgrund der Zeitverschiebung recht anstrengend. Aber das nehme ich gerne in Kauf, denn durch meinen Beruf sehe ich die interessantesten und schönsten Orte der Welt. Und wenn ich dann wieder nach Hause komme und meine Kinder in die Arme schließe, weiß ich: Für mich ist das der beste Job der Welt!