Endometriose gehört zu den häufigsten Frauenleiden und ist oft Ursache für unerfüllten Kinderwunsch.

Endometriose – Wenn die Regelschmerzen unerträglich werden

Endometriose gehört zu den häufigsten Frauenleiden und ist oft Ursache für unerfüllten Kinderwunsch. Im Interview spricht Frauenarzt Dr. Robert Theiss, Leiter des Endometriose-Zentrums München, über Symptome, Ursache, Behandlung und Therapie.

Zwischen Pubertät und Wechseljahren leiden viele Frauen an Endometriose – oft ohne es zu wissen. Wieso ist die Krankheit eigentlich so schwer zu diagnostizieren?

Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein und die Endometriose ist mit den üblichen Untersuchungen schwer nachzuweisen. Meist findet man die Endometriose oberflächlich auf dem Bauchfell hinter den Eierstöcken, am Enddarm und an der Blase. Diese Herde sind durch nichtinvasive Untersuchungen wie Tastuntersuchung, Ultraschall oder Röntgen kaum nachzuweisen. Lediglich bei einer Bauchspiegelung lassen sie sich sicher diagnostizieren. Sehr viele Gynäkologen unterschätzen die Häufigkeit der Endometriose oder scheuen sich, die Betroffenen mit der Diagnose zu konfrontieren. Dadurch lassen Sie die Frauen mit ihren Schmerzen und Ängsten alleine.

 

Ganz schön frustrierend.

Definitiv. Viele Betroffene haben oftmals über einen langen Zeitraum Schmerzen. Das liegt daran, dass sie unter gutartigen, meist schmerzhaften Wucherungen von Gewebe der Gebärmutterschleimhaut leiden. Dieses siedelt sich außerhalb der Gebärmutter in benachbarten Organen an.

 

Wo finden sich die Endometriose-Herde typischerweise?

Hinter der Gebärmutter. Dort gibt es den sogenannten Douglasraum, eine Vertiefung, in der die beiden Eierstöcke liegen und sich der Enddarm, das Rektum, befindet. Es kann aber auch sein, dass sich die Endometriose an einer ganz anderen Stelle im Körper ansiedelt, z.B. im Nabel, dem Leistenkanal oder sogar in der Lunge. Allerdings ist vor allem letzteres die Ausnahme und extrem selten.

 

Wieso verursachen diese Wucherungen eigentlich solche Schmerzen?

Die Endometriose-Herde wachsen während des Monatszyklus analog zur Gebärmutterschleimhaut. Wie diese reagieren auch Endometriose-Herde auf den hormonellen Zyklus und verursachen starke zyklusabhängige Unterbauchschmerzen ­- oft zu Beginn der Menstrualblutung, häufig aber sogar schon einige Tage vor der Blutung. Manche Frauen klagen auch nur in der Zeit des Eisprungs über Schmerzen. Generell sind die Schmerzen diffus, können z.B. vom Unterbauch auch in den Rücken oder die Beine ausstrahlen. Manche Patientinnen leiden auch unter einer zyklusabhängigen Blasenreizung. Typisch sind auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Nicht selten ist eine schwere Endometriose allerdings auch schmerzfrei. Sie bleibt daher lange unbemerkt und kann zu einer Organschädigung oder Sterilität führen.

 

Wie entsteht Endometriose?

Das ist leider noch nicht eindeutig geklärt. Am wahrscheinlichsten gilt die sogenannte Transplantations-Hypothese: Es wird vermutet, dass die Gebärmutterschleimhaut durch die Eileiter und die Eierstöcke retrograd, also in die falsche Richtung  aus der Gebärmutter in den restlichen Unterbauch gelangt. Dort kann sie sich ansiedeln und verursacht dabei meist starke zyklusabhängige Unterleibsschmerzen. Bei der Entstehung der Endometriose spielen aber auch genetische Faktoren eine Rolle. Die genauen Zusammenhänge sind jedoch nicht geklärt.

 

Wie wird Endometriose diagnostiziert?

Zunächst findet eine gynäkologische Tastuntersuchung statt. Anschließend wird ein Ultraschall gemacht. Ergibt dieser Befund, dass eine Endometriose vorliegt, wird zur sicheren Diagnose eine Bauchspiegelung durchgeführt.

 

Das müssen Sie erklären.

Hierfür wird mit einem Endoskop über einen kleinen Schnitt durch den Bauchnabel in den Bauchraum hineingeschaut. Dabei können die Endometriose-Herde erkannt und entfernt werden. Diese werden dann mikroskopisch untersucht.

 

Ist eine Heilung möglich?

Leider nicht. Zum Glück ist Endometriose aber medikamentös und operativ behandelbar. Gerade bei jungen Frauen ohne Kinderwunsch bietet es sich an, die Pille durchgehend zu nehmen, denn diese hemmt das Wachstum der Schleimhautzellen. Unter dieser Therapie sind viele Frauen beschwerdefrei.

 

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es sonst noch?

Eine Operation. Bei fortdauernden Schmerzen oder einem unerfülltem Kinderwunsch ist es sinnvoll, die Endometriose durch eine Bauchspiegelung zu therapieren. In der Regel ist das ein kleiner Eingriff, der zwar unter Vollnarkose durchgeführt wird, aber meist nur etwa eine halbe Stunde dauert. Durch eine solche Operation können meist alle Herde und auch Verwachsungen entfernt werden. Idealerweise sind die Patientinnen dann für eine gewisse Zeit schmerzfrei.

 

Klingt, als könnte die Endometriose wiederkommen.

Leider ja! Endometriose ist eine chronische Erkrankung. Selbst nach einer operativen Entfernung kommt die Krankheit im Schnitt nach etwa zweieinhalb Jahren wieder. Bei manchen Frauen bildet sich sogar schon nach einem halben Jahr ein neuer Endometriose-Herd; andere sind zehn Jahre beschwerdefrei. Das ist von Patientin zu Patientin verschieden. Erst mit dem Nachlassen der körpereigenen Östrogenproduktion in den Wechseljahren kommt die Krankheit normalerweise zum Erliegen.

 

Ihr Rat an Betroffene: Was hilft gegen die Schmerzen?

Gut wirksam sind Ibuprofen oder Naproxen. Einigen Frauen helfen auch pflanzliche Schmerzmittel, die als Tee oder als Fertigpräparat in Form von Tropfen eingenommen werden können. Schmerzlindernd wirken zum Beispiel Gänsefingerkraut, Pestwurz, Weidenrinde,  Mutterkraut, Weihrauch und Teufelskralle.

 

Und wenn das alles nichts bringt?

Mit Hilfe der Traditionellen Chinesischen Medizin und homöopathischen Arzneimitteln können die Schmerzen gelindert werden. Auch möglich ist eine Schmerztherapie durch Akupunktur. Eine neue Methode, von der viele Patienten sehr profitieren, ist Osteopathie. Gut wirksam können übrigens auch alle Formen der Tiefenentspannung sein, z.B. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Yoga.

 

 

 

Dr. Robert Theiss ist Leiter des Endoskopie und Endometriose-Zentrums München.

 

 

Dr. Robert Theiss ist Leiter des Endoskopie und Endometriose-Zentrums München. Mehr Informationen unter www.gyn-ezm.de