Die richtige Ernährung in der Stillzeit

Baby isst mit! So ernährst du dich in der Stillzeit richtig

In der Schwangerschaft musstest du dich ganz schön zurückhalten: Kein Sushi, kein Tiramisu, kein Rohmilchkäse – und absolut kein Alkohol! Aber was gilt jetzt in der Stillzeit? Wie beeinflusst dein Essverhalten die Ernährung deines Babys mit Muttermilch? Alexandra Buder, Hebamme und Medela-Stillexpertin kennt die Antworten.

 

Sushi, Rohmilch, Tiramisu und Salami waren in der Schwangerschaft verboten – gilt das während der Stillzeit weiter?

Nein, frischgebackene Mütter brauchen darauf nicht mehr verzichten. Je vielfältiger sich die Frauen in der Zeit des Stillens ernähren, desto neugieriger wird das Kind später selbst auf unterschiedliche Nahrungsmittel sein. Denn alles, was die Mamas jetzt essen, beeinflusst den Geschmack der Muttermilch und kann Babys Vorlieben prägen.

 

Was ist mit Kaffee? Schadet das Koffein dem Baby durch die Muttermilch?

Zwei Tassen Kaffee oder vier Tassen Schwarztee pro Tag sind kein Problem. Wichtig ist, immer das richtige Maß zu finden – und auch ausreichend Wasser zu trinken! Zwei Liter am Tag sollten es schon sein.

 

Bestimmt denn nicht alles, was ich esse, die Qualität meiner Muttermilch?

Dein Körper weiß instinktiv, welche Nährstoffe dein Baby braucht und setzt die Muttermilch entsprechend zusammen. Wenn du also schlimmstenfalls einen Tag lang mal nur Tiefkühlpizza, Snacks und Schokolade gegessen hast, bekommt dein Baby davon unabhängig durch deine Muttermilch trotzdem alle gesunden Nährstoffe, die es braucht. Die Zusammensetzung der Muttermilch ändert sich durch deine „kleinen Sünden“ nicht. Aber grundsätzlich gilt natürlich: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für die Mutter in der Stillzeit besonders wichtig. Sie braucht gute Energie, denn das Stillen kostet natürlich Kraft. Wenn es ihr nicht gut geht und sie womöglich Mangelerscheinungen entwickelt oder krank wird, leidet auch die Milchproduktion.

 

Ist Fleisch in der Stillzeit Pflicht. Aber was ist, wenn ich als Veganerin gar keine tierischen Produkte esse?

Viele Experten halten eine rein vegane Ernährung gerade während der Schwangerschaft für problematisch. Es kommt aber sicher immer sehr darauf an, wie die Frauen ihre Ernährung handhaben – und vor allem, was ihr der Arzt rät. Frauen, die sich vegan ernähren, müssen in der Stillzeit kein Fleisch essen. Aber es ist ratsam, bereits in der Schwangerschaft Rücksprache mit dem Arzt oder der Hebamme zu halten, um Nährstoffdefizite auszuschließen. Zum Beispiel sollten sie Vitamin B12 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen. Denn ein Mangel an Vitamin B12 während der Schwangerschaft und der Stillzeit kann zu Entwicklungsstörungen des Babys führen. Für einige Schwangere und Stillende ist es sinnvoll, andere Nährstoffe wie Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Eisen oder Folsäure zusätzlich über Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen. Wichtig ist wirklich, sich da genau mit Ärzten und Hebamme abzustimmen.

 

Ich habe schon oft gehört, dass Malzbier und Stilltees wichtig sind, um die Milchproduktion anzuregen. Wird sonst mein Baby womöglich nicht satt?

Im Normalfall hat jede Mutter genug Milch, um ihr Kind ausreichend zu versorgen . Die Nachfrage bestimmt hier das Angebot. Wirkt das Kleine noch hungrig und daher unruhig, sollten Mütter ihr Baby am besten öfter anlegen. Das fördert die Milchproduktion. Auch mit zusätzlichem Abpumpen – am besten beidseitig – wird die Milchbildung weiter angeregt: Dass Tees mit Fenchel, Anis oder Kümmel oder alkoholfreies Malzbier die Milchbildung anregen, ist nicht belegt.

 

Ich möchte die letzten Schwangerschaftskilos möglichst schnell loswerden – darf ich während der Stillzeit Diät halten?

Bitte nicht! Eine strenge Diät während der Stillzeit ist nicht sinnvoll. Stillen kostet viel Energie. Wenn die Mutter ihren Körper nicht ausreichend versorgt, besteht die Gefahr, dass sich die Milchmenge reduziert. Außerdem verbrennt Stillen an sich jeden Tag auch über 500 Kalorien und hilft so, die Babypfunde auf natürliche Weise wieder loszuwerden. Am besten mehr frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte auf den Speiseplan setzen und mit viel Bewegung – zum Beispiel regelmäßiges Spazierengehen – den Kalorienverbrauch weiter ankurbeln. Und: Je mehr die Mutter sich bewegt, desto mehr Prolaktin schüttet der Körper das. Dieses Hormon regt die Milchbildung. Von einer gesunden Lebensweise profitieren also beide, Mutter und Kind. Und dem Baby ist es ganz egal, ob seine Mutter schon wieder in ihre Jeans passt!

 

Ich würde auf meinem Geburtstag so gerne mit den anderen anstoßen. Ist Alkohol wirklich komplett Tabu?

Grundsätzlich gilt: Natürlich ist Alkohol tabu, denn er geht in die Muttermilch über. Ein Glas Sekt zu besonderen Anlässen ist nur in Ordnung, wenn die Mutter kurz vor dem Anstoßen stillt oder Milch abpumpt. Dann hat der Körper bis zum nächsten Mal Stillen Zeit, den Alkohol wieder abzubauen. Wenn die Mutter schon vorher weiß, dass man an einem bestimmten Tag etwas Alkohol trinken möchte, pumpt sie am besten schon am Vortag Milch ab. Damit füttern sie oder der Vater das Baby und gehen kein Risiko ein.

 

Es heißt immer, dass Babys einen wunden Po bekommen, wenn die Mutter Zitrusfrüchte isst. Stimmt das?

Jeder Säugling reagiert anders. Einige Kinder scheinen empfindlich gegenüber bestimmten Lebensmitteln oder Gewürzen zu sein. Aber bislang konnte ein Zusammenhang zwischen einem wunden Po und bestimmten Nahrungsmitteln nicht wissenschaftlich bewiesen werden. Auch blähende Lebensmittel wie Knoblauch oder Kohl sind generell kein Tabu in der Stillzeit. Wenn das Baby unruhig ist und die Mutter ein bestimmtes Lebensmittel in Verdacht hat, sollte sie es probeweise eine Zeit lang von ihrem Speiseplan streichen und nach ein paar Wochen noch einmal testen. Manchmal können auch Milchprodukte der Auslöser sein, wenn das Baby womöglich eine Allergie oder Intoleranz hat. Ausprobieren und das Baby beobachten – so lässt sich gut herausfinden, ob ein Nahrungsmittel die Verstimmung auslöst.

 

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