Erste Hilfe Teil 1

Erste Hilfe für Babys Teil 1: Platzwunden & Knochenbrüche

Hilfe! Wenn das Kind verletzt ist, geraten Eltern leicht in Panik. Wie man sich richtig verhält, erklärt Erste-Hilfe-Experte Janko von Ribbeck in unserer neuen Serie.  

 

Was mache ich, wenn mein Kind zum Beispiel vom Laufrad stürzt und eine blutende Wunde hat? Reicht es, einfach ein Pflaster aufzukleben?


Das kommt ganz darauf an, ob es nur ein Kratzer ist oder eine Platzwunde: Vieles lässt sich mit einem Pflaster versorgen. Wenn aber die Wundränder auseinander klaffen, hat das Kind eine Platzwunde. Früher hat man das genäht, heute wird die Wunde mit einem „Haut-Sekunden-Kleber“ geklebt. Wichtig zu wissen ist, dass es diesen Kleber nicht beim Kinderarzt gibt, sondern nur im Kinderkrankenhaus! Auch kleine Platzwunden sollten übrigens versorgt werden – gerade im Gesicht, da ansonsten nicht sehr schöne Narben zurückbleiben können.
Bei Schürfwunden macht man übrigens einen Kompromiss: Tagsüber können Sie ein Pflaster aufkleben, damit das Kind nicht drankommt. Nachts können Sie es entfernen und Luft dranlassen.

 

Wie kann ich eine Blutung am besten stillen?


Manche Platzwunden bluten tatsächlich überhaupt nicht, wenn kein Blutgefäß getroffen ist. Andere wiederum bluten sehr stark. Dann wäre eine Kompresse natürlich optimal. Aber die habe ich ja meistens nicht unbedingt griffbereit. Deswegen nehme ich am besten ein (Tempo)-Taschentuch, das hat man immer dabei und das ist weich und fusselt nicht. Einfach mit einem Plasterstreifen fixieren – fertig.

 

Wenn die Wunde dreckig ist, sollte ich sie reinigen, oder?


Ja, Sie sollten die Wunde auf jeden Fall auswaschen, denn sonst könnte sie sich entzünden Am besten mit Leitungswasser. Und wenn Sie ein Desinfektionsmittel zur Hand  haben, das kein Alkohol enthält – denn das brennt! – wäre es gut, wenn Sie die Wunde anschließend noch desinfizieren.

 

Wie reagiere ich richtig, wenn mein Kind zum Beispiel bei den ersten Gehversuchen die Treppe hinuntergefallen ist und ich befürchte, dass es sich etwas gebrochen hat?


Knochenbrüche sind bei Kindern ausgesprochen schwer zu erkennen. Sogar im Krankenhaus werden sie manchmal übersehen. Kinder können den Schmerz einfach noch nicht so gut lokalisieren und röntgen kann man das komplette Kind ja auch nicht. Ein recht sicherer Hinweis ist, wenn Ihr Kind etwas nicht mehr bewegen kann. Und wenn Sie sich nicht sicher sind, ob  etwas Schlimmeres passiert ist, dann tasten Sie ihr Kind von Kopf bis Fuß ab: Kopf, Schulter, Ober- und Unterarm, Rippen, Becken, Ober- und Unterschenkel, Füße – in dieser Reihenfolge. Gerade bei kleineren Kindern ist es dann wichtig, nach einer halben Stunde nochmal zu überprüfen, ob sie immer noch gut laufen oder krabbeln können. Denn manchmal entsteht so eine Bewegungseinschränkung auch erst später!

 

Wenn ich tatsächlich feststelle, dass mein Baby zum Beispiel den Arm nicht mehr bewegen kann, diesen irgendwie fixieren?


Ja, das schadet nicht. Ich habe da einen super einfachen Tipp, der wahrscheinlich in keinem Erste-Hilfe-Buch der Welt steht: Ein gebrochener Arm lässt sich sehr gut mit einer Zeitung oder Zeitschrift stabilisieren! Also einfach die Zeitung einrollen und den Arm durchstecken – das schient wunderbar und ist viel besser als irgendein Tuch oder Schal!

 

 

Interview mit Janko von RibbeckJanko von Ribbeck ist Vater von vier eigenen und zwei Stiefkindern und war jahrelang als Rettungssanitäter unterwegs. Heute gibt er seine reiche Erfahrung in Kursen und Büchern speziell an Eltern weiter. Die schätzen sowohl seine Kompetenz, als auch seine praxisnahen, lebendigen Erklärungen.

https://www.erste-hilfe-fuer-kinder.de/