Frühchen: Auf nach Hause!

Frühchen: So geht’s zu Hause weiter

Endlich: Dein Frühchen darf nach Hause! Aber nach dem sicheren Kokon der Klinik bedeutet das für euch auch eine ganz neue Verantwortung. So gelingt der Übergang

 

1) Vorbereitung ist alles

Nach der routinierten Versorgung im Krankenhaus durch Krankenschwestern und Ärzte, musst du jetzt den Alltag mit Baby alleine organisieren und einen Tagesrhythmus finden. Keine Frage, das ist stressig. Da hilft schon viel, wenn daheim alles gut vorbereitet ist. Gut möglich, dass dein Baby so unerwartet und viel zu früh zur Welt kam, dass du bislang noch gar keine Zeit hattest, sein Zimmer einzurichten. Es jetzt nachzuholen, wäre nur zusätzlicher Stress. Wichtig sind lediglich ein Schlafplatz (Babybettchen, Stubenwagen, Wiege), eine Wickelkommode mit Wärmestrahler darüber und eine Babyschale für den Transport im Auto. Mehr braucht dein Baby erstmal nicht. Wichtig ist, dass du auch an euch Eltern denkst: Am besten deckt ihr euch mit ausreichend Vorräten ein, damit ihr euch in den ersten Tagen voll auf euer Baby konzentrieren könnt.

2) Dein Baby ist kein Patient mehr

Gerade wenn dein Baby deutlich zu früh auf die Welt gekommen ist und längere Zeit im Krankenhaus bleiben musste, besteht die Gefahr, dass du es überbehütest – obwohl es deinem kleinen Schatz mittlerweile gut geht und du ihn eigentlich ganz normal behandeln könntest. „Aus diesem Grund versuchen wir den Eltern bewusst zu machen, dass sie nicht mit ihrem ehemaligen Frühchen nach Hause gehen, sondern mit ihrer wunderbaren Tochter oder ihrem tollen Sohn“, sagt Dr. Michael Zeller, Kinder- und Jugendarzt und Oberarzt in der Kinderklinik Dritter Orden in Passau. Dort leitet er NeoPAss, ein mit dem Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis ausgezeichnetes Modellprojekt zur familienintegrierenden Versorgung von Frühchen und Risikogeborenen. „Eine moderne Neonatologie funktioniert ausschließlich mit den Eltern. NeoPAss ermöglicht es den Eltern, Eltern zu sein und ihren Kindern von Anfang an die Nestwärme zu geben, die für das weitere Leben entscheidend ist.“ Um den Eltern den Übergang zwischen der stationären Behandlung ihres Frühgeborenen und der Zeit zu Hause zu erleichtern, versucht Zeller mit seinem Team von Anfang an, das Selbstbewusstsein der Eltern zu stärken. Die Eltern werden voll in die Behandlung integriert, lernen sehr früh ihre Kinder zu beurteilen und einzuschätzen, auf Befindlichkeiten und Probleme der Kleinen hinzuweisen. Zudem leiten Pflegekräfte die Eltern in der Versorgung ihrer eigenen Kinder an. „Unser oberstes Ziel ist, dass wir uns als Ärzte, aber auch als Pflegende überflüssig machen. Auf diese Weise wird der Übergang nach Hause sehr viel fließender, als es früher der Fall war.“

3) Dein Kinderarzt sollte Erfahrung mit Frühchen haben

Der Kinderarzt wird in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren dein wichtigster Ansprechpartner bei allen gesundheitlichen Fragen sein. Kümmere dich schon vor der Entlassung deines Babys aus dem Krankenhaus um einen niedergelassenen Arzt in deiner Nähe, der genügend Erfahrung mit Frühchen hat. Gerade in der Anfangszeit ist es wichtig, dass dein Baby engmaschig untersucht wird. Eventuelle Defizite können so rechtzeitig festgestellt und Fördermaßnahmen frühzeitig eingeleitet werden. Natürlich steht dir auch die Hilfe einer Hebamme zu. In den ersten Tagen kommt sie zu dir nach Hause und kümmert sich um dich und dein Baby.  

4) Mutterpumpe reservieren

In der Klinik stand die Symphony stets für dich bereit. Falls du noch keine Mietmilchpumpe für zu Hause hast, denk dran dir in der Apotheke rechtzeitig eine zu reservieren. Das Rezept dafür bekommst du von deinem Gynäkologen oder Kinderarzt. Sollte die Hebamme keine Stillberatung übernehmen, ist es auch sinnvoll, wenn du dich um eine Stillberaterin bemühst, denn Frühchen zu stillen erfordert viel Geduld. 

5) Bitte Familie und Freunde um Unterstützung

Selbst wenn dich die Klinik optimal auf die Zeit zu Hause vorbereitet: Gerade am Anfang wirst du Unterstützung brauchen. Bitte Eltern, Verwandte und Freunde um Hilfe. Du wirst sehen: Die meisten Menschen helfen gerne, wenn man ihnen ganz konkret sagt, wie sie sich einbringen können. Frag Nachbarn oder Freunde, ob sie das Einkaufen übernehmen können. Vielleicht kann die beste Freundin dir in der ersten Zeit im Haushalt helfen. Und die Oma kocht mittags für die Geschwisterkinder und passt ab und zu auf sie auf. Alles, was dich entlastet, hilft!

6) Geschwisterkinder einbinden

Der Familienzuwachs ist natürlich besonders auch für ältere Geschwisterkinder eine große Umstellung. Gerade kleinere Kinder sind oft noch nicht in der Lage, die Geschehnisse zu verstehen. Sicher habt ihr Eltern auch viel Zeit im Krankenhaus verbracht und ältere Geschwister mussten warten. Kein Wunder, dass gerade kleinere Kinder sich dann schnell benachteiligt fühlen. Integriere deine „Großen“ ganz bewusst in die Vorbereitungen für die Ankunft des neuen Familienmitglieds zu Hause: Dekoriert gemeinsam das Kinderzimmer oder malt ein Begrüßungsbild. So fühlt sich die große Schwester oder der Bruder gebraucht und kann aktiv zur Begrüßung des kleinen Geschwisterchens beitragen.

7) Memoboard für wichtige Telefonnummern

Du wirst dich garantiert wohler fühlen, wenn du die wichtigsten Telefonnummern für den Notfall auf einer Pinnwand oder einem Memoboard notierst. Ein sicheres Gefühl ist ein gutes Gefühl.

8) Nicht zu viele und nur gesunde Besucher!

Oma und Opa, Taten und Onkeln, Freunde, Arbeitskollegen und Nachbarn – jeder möchte am liebsten sofort das Baby zu Hause willkommen heißen. Aber gerade in den ersten Tagen erleichtert ein ruhiges Umfeld dir und deinem Baby den Einstieg in den Alltag zu Hause. Bitte Familie und Freunde um Verständnis. Ganz wichtig: Natürlich dürfen nur gesunde Besucher kommen!

9) Noch mal einen Abend als Paar genießen

Falls es irgendwie möglich ist: Geht noch mal gemeinsam als Paar in Ruhe essen. Mit der Ruhe wird es für eine ganze Weile vorbei sein, wenn euer kleiner Schatz zu Hause ist. Bei so einem Abend zu zweit lässt sich auch prima eine gewisse Arbeitsteilung besprechen. Es erspart viel unnötigen Stress, wenn jeder weiß, wann er was zu machen hat.

10) Sicherer Transport nach Hause

Wenn es dann endlich soweit ist und es aus der Klinik mit dem Auto nach Hause losgeht, solltest du ein paar wichtige Dinge beachten: Der ADAC empfiehlt, das Baby nur auf dem Rücksitz zu transportieren, um Kollisionen mit dem Beifahrer-Airbag zu vermeiden. Optimal ist, wenn du die Sitzschale in der Mitte der Rücksitzes oder hinter dem Beifahrersitz montierst. Am Ende der Autofahrt wird das Baby so garantiert von der sicheren Fußwegseite herausgenommen. Bevor du losfährst, solltest du immer überprüfen, dass der Dreipunktgurt sicher geschlossen und ausreichend straff gezogen ist. Und dann heißt es auch schon: Endlich auf nach Hause!

 

Dr. Michael Zeller ist Kinder- und Jugendarzt mit Schwerpunkt Neonatologie. Als Oberarzt arbeitet er in der Kinderklinik Dritter Orden in Passau. Dort leitet er NeoPAss, ein mit dem Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis ausgezeichnetes Modellprojekt zur familienintegrierenden Versorgung von Frühchen und Risikogeborenen.

 

 

 

 

Wie ging es dir in der ersten Zeit zu Hause? Wie habt ihr euch vorbereitet? Was hat dir geholfen? Schreib uns unter kontakt@medela.de oder auf Facebook.

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