Frühchen stillen. Zwillinge stillen.

Ein kleiner Survival-Guide aus der Sicht einer Mutter.

Unter dem Pseudonym „Frollein Doctor“ hat sie den Weg zu ihren beiden Wunschkindern verbloggt. „Doctor’s Dairy – über Milch und Mehr“ wurde das Blog damals getauft, weil Frollein Doctor damals hoffte, zukünftig etwas über Muttermilch schreiben zu dürfen. Dass es dann in endlos lange Romane ausartet, hatte wohl auch die Bloggerin nicht geplant. Ihre Stillgeschichte war / ist alles andere als leicht. Sie musste nicht nur ZWEI Kinder nach bescheidenem Stillstart satt bekommen, sondern auch noch flaschen-trainierte Frühgeborene umgewöhnen. Somit war das Stillen, für andere das natürlichste der Welt, plötzlich eine richtige Extremerfahrung mit vielen Tiefen und Rückschlägen, glücklicherweise aber auch total schönen Höhen. Frollein Doctor möchte mit ihrem Blog anderen Müttern in ähnlichen Lagen Mut und Hilfestellung geben.

 

Hier gibt sie Antwort auf die Frage:

Wie überlebst du also die schwierigen Startbedingungen und kannst eine gute Stillbeziehung aufbauen?

 

 

Vorbereitung in der Schwangerschaft

Wenn du Bauchmensch bist, lass einfach alles auf dich zukommen. Wenn du Kopfmensch bist, lies dir alles an, was du finden kannst. Überall wird empfohlen, gutsitzende Still-BHs nicht vor der Geburt zu organisieren. Wenn die Kinder dann aber da sind kommst du sowieso zu nichts mehr, schon gar nicht zum Einkaufen in der Stadt. Ich habe es immer noch nicht geschafft, Still-BHs oder ein vernünftiges Zwillingsstillkissen zu kaufen. Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr. Ich rate also, alles was man meint zu brauchen in kleinem Umfang schon in der Schwangerschaft anzuschaffen oder zumindest soweit ausgewählt zu haben, dass ein paar Klicks im Online-Shop des Vertrauens die fehlenden Sachen schnell herbeizaubern. Ungenutztes lässt sich gut weiterverkaufen.

 

 

Nach der Geburt

Pumpe so bald und so oft wie möglich, auch wenn es unangenehm ist. Lege auch so bald und so oft wie möglich an (alternativ mit viel Körperkontakt kuscheln / „känguruhen“). Nur so bekommt dein Körper mit, was er tatsächlich leisten muss. Das soll in der unmittelbaren Phase nach der Geburt sehr wichtig sein, um zusätzliches milchbildendes Brustgewebe aufzubauen. Später ist das nicht mehr in dem Umfang möglich. Achte auf eine ausreichende Trinkmenge und Ernährung, auch wenn das in der neuen Situation total nebensächlich erscheint.

 

 

Im Baby-Alltag

Jede frischgebackene Mama hat individuelle Still-Motivationen und Kräfte-Limits. Überlege dir immer wieder genau, wo du gerade nervlich stehst. Hast du dein persönliches Limit überschritten? Steht das Weiterkämpfen noch im Verhältnis? Vergleiche dich dabei nicht mit anderen. Nichtsdestotrotz ist der Kontakt zu Frauen, die in ähnlichen Situationen sind / waren sehr wichtig. Oft können sie dir hilfreichere, praxisnähere Ratschläge geben, als die erfahrensten Hebammen oder Stillberaterinnen (schließlich ist das hier ein Spezialfall!). Die enge Betreuung durch ebendiese Fachfrauen ist natürlich trotzdem hilfreich.

Am allertollsten ist es, wenn du einen Still-Buddy (Geburtsvorbereitungskurs, Internet-Foren…) gefunden hast. Jemanden, der dein Leid aktuell auch um halb vier morgens teilt, weil er gerade auch an der Milchpumpe hängt, um für die gleichalten Zwillings-Frühchen das Frühstück vorzubereiten und mit dir heult, wenn der Vortag richtig deprimierend war.

 

fruehchen-stillen-mehrlinge-stillen_kleinSetze dir nur sehr kleine Ziele und bleibe flexibel.  Es ist schon ein riesiger Erfolg, wenn eine einzige Flaschenmahlzeit oder eine Pumpenrunde überflüssig wird. Gib dir und dem/den Kind/ern ganz viel Zeit. Habe sehr, sehr viel Geduld. 

 

Je schwerer und je reifer das Baby wird, desto einfacher wird das Stillen. Ein schwaches, saugverwirrtes Frühchen, das schon für die Flasche ewig braucht oder ein ausgereiftes Baby an der Brust zu haben ist ein riesiger Unterschied. Außerdem bekommst auch du mit der Zeit viel Erfahrung und dein Körper gewöhnt sich an die ungewohnte Belastung.

 

Wenn du die Chance dazu hast, nimm für alle anderen Dinge wie Haushalt, Wickeln und Nachtschichten Hilfe in Anspruch. Es ist alles mindestens doppelt kräftezehrend. Wenn du dich mit Leib und Seele für das Zwillingsstillen entscheidest, wirst du viele Wochen nicht viel anderes tun (können).

 

 

Beim unfreiwilligen Abstillen

Wenn du alles versucht hast und es einfach nicht klappt, die Milchbildung nicht in Gang kommt oder deine Kinder auch als kräftige Babys mit der Brust nichts anzufangen wissen, stille ab. Da unfreiwillig, wirst du traurig sein, weil du es dir für dich und die Kinder anders gewünscht hast. Rede darüber! Weine! Vielleicht hilft es dir, eure Geschichte aufzuschreiben. Irgendwann wirst du die neugewonnenen Vorzüge und Freiheiten schätzen.

Vielleicht betreibt ihr noch ein paar Tage / Wochen Wohlfühl-Kuschel-Stillen ohne Sättigungsabsicht. Lege beide Kinder schließlich ein letztes Mal bewusst an und genießt zusammen den Moment.

 

 

 

Solltest du weitere Fragen zum Stillen von Frühchen/ Zwillingen oder gar eigene Erfahrungen gesammelt haben, die du teilen magst, freue ich mich über einen Besuch auf meinem Blog oder schreibe dem Medela-Team unter kontakt@medela.de

 

 

In ihrer aktuellen Blogserie „Ein Still-Drama in fünf Akten“, hält Frollein Doctor ihre Erfahrungen detailliert fest – die es wahrscheinlich so noch in keinem Stillratgeber zu lesen gibt. Schaut doch mal rein unter http://frolleindoctor.blogspot.de .