Geburtsbegleitung durch eine Doula

Geburtsbegleitung: Was macht eigentlich eine Doula?

Doulas sind keine Hebammen, aber für immer mehr Frauen eine wichtige zusätzliche Geburtshelferin. Ein Interview mit Doula Kristina Wierzba-Bloedorn über ihre Aufgabe im Kreissaal und die Herausforderungen der aktuellen Geburtshilfe.

 

Was heißt eigentlich „Doula“?

Das Wort „Doula“ kommt aus dem Altgriechischen und wird meist mit „Dienerin der Frau“ übersetzt. Das trifft es eigentlich sehr gut, finde ich. Denn ich helfe, ich diene der gebärenden Frau während der Geburt. Wobei auch die Beschreibung „eine Mutter für die Mutter“ sehr gut passt. Früher, als Kinder noch in den eigenen vier Wänden zur Welt kamen, war es ganz normal, dass die werdende Mutter mit der Hebamme nicht allein war. Da waren die eigene Mutter und auch Tanten dabei, um Geschwisterkinder zu beaufsichtigen, Essen zu zubereiten und vielleicht auch um hier und da zu helfen. Als die Geburten nach und nach ins Krankenhaus wanderten, hat sich das geändert. Die weiblichen Familienmitglieder sind – wie auch die Hebammen – nach und nach immer mehr aus der Geburtshilfe verdrängt worden. Diese Unterstützung erobern sich die Frauen ein Stück weit zurück, wenn sie eine Doula mit in den Kreissaal nehmen.

 

Was genau ist Ihre Aufgabe als Doula während der Geburt?

Das kann man so pauschal gar nicht sagen, das ist immer von der Mutter abhängig. Was ich definitiv nicht mache sind medizinische Untersuchungen wie z.B. CTGs deuten, vaginale Untersuchungen, Zugänge legen oder nach dem Kind tasten. Ich treffe auch keine Entscheidungen. Ich kann behilflich sein, Informationen zu sammeln, die die Familie braucht, um eine Wahl für oder gegen etwas zu treffen – aber die Entscheidung liegt immer bei der Frau bzw. den werdenden Eltern. Für manche Frauen ist es einfach nur wichtig, dass ich da bin und ihre Hand halte. Bei anderen Geburten bin ich dagegen sehr aktiv: Ich hole Essen, reiche zu Trinken, helfe der Frau beim Positionswechsel, wische den Schweiß von der Stirn oder hole auch mal die Hebamme. Manche Frauen möchten auch gerne, dass ich fotografiere. Meine Rolle ist bei jeder Geburt anders, das ist sehr individuell – so wie die Bedürfnisse der Frauen, die gebähren.

 

Wie können Sie abschätzen, was die werdende Mutter gerade braucht?

Die Treffen mit der Familie vor der Geburt sind dafür sehr wichtig. Ich besuche sie zu Hause und sie erzählen mir von ihrem Leben und ihren Vorstellungen. Dabei erstelle ich dann auch eine Art Geburtsplan mit den Paaren. Wobei ich das Wort „Geburtsplan“ immer etwas irreführend finde, denn eine Geburt kann man nicht planen. Das Gespräch darüber ist vor allem eine Chance, sich mit seinen eigenen Wünschen auseinanderzusetzen. Das vermittelt auch mir dann ein gutes Bild.

 

Nichtsdestotrotz ist die Geburt natürlich ein sehr intimer Moment. Wie passt eine Doula als ja doch fremde Person in diesen privaten Raum?

Die nötige Vertrautheit entsteht eigentlich sehr schnell. Und: Das Zusammenspiel zwischen Nähe und Distanz ist für viele Frauen auch gerade das Entscheidende! Mir sagte mal eine Frau: „Ich habe so ein tolles Verhältnis zu meiner Mutter, aber ich möchte nicht, dass sie mich bei der Geburt erlebt.“ Das Schöne an einer Doula ist: Es gibt eine gute Form von Nähe – und gleichzeitig das Wissen, dass man sich danach auch nicht wiedersehen muss, wenn man nicht will.

 

Wer wendet sich denn an Sie? Wer sucht sich eine Doula?

Es gibt keine spezielle Zielgruppe. Die Frauen kommen mit sehr unterschiedlichen Wünschen und Hintergründen zu mir. Häufig hatte die Frau bereits eine traumatische Geburt, oft auch einen Kaiserschnitt, und wünscht sich jetzt einen heilsameren Weg. Ich hatte schon alleinstehende Frauen und auch Frauen, wo der Kindsvater zur Geburt nicht da sein konnte oder aus verschiedenen Gründen nicht gerne dabei sein wollte. Bei vielen Geburten bin ich aber zusammen mit dem Paar im Kreissaal. Ich habe das Gefühl, dass die Frauen einfach eine gewisse Sehnsucht danach haben, dass noch eine weitere weibliche Person dabei ist, die nur für sie da ist und keine anderen Verpflichtungen hat. Bei mir wissen sie, dass ich dabei bin bis das Baby geboren ist. Hebammen im Schichtdienst müssen ja leider wechseln.

 

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Hebamme? Denn auch die Hebamme ist ja da, um die Mutter bei der Geburt zu unterstützen.

Wir Doulas arbeiten mit den Hebammen Hand in Hand. Wir sind beide da aus Solidarität und Mitgefühl für die Mutter, wobei die Hebamme natürlich die eigentliche Geburtshilfe übernimmt. Ich habe noch nie erlebt, dass sich eine Hebamme durch meine Anwesenheit gestört gefühlt hat. Und ich habe viele Geburten begleitet, bei denen die 1:1-Begleitungen bereits durch Hebammen gesichert war, wie z.B. bei Beleggeburten oder außerklinischen Geburten. Aber ich kann schon verstehen, dass Hebammen manchmal traurig sind, weil es für sie unter den derzeitigen Bedingungen sehr schwer ist, ihre Arbeit zufriedenstellend auszuüben. Die Situation in den Krankenhäusern lässt wenig Spielraum für individuelle Begleitungen, gerade im Schichtdienst. Das ist die Tragik der Geburtshilfe in Deutschland.

 

Sie sehen die aktuelle Geburtshilfe in Deutschland kritisch?

Das tue ich! Hebammen werden immer stärker aus dem Kreissaal verdrängt oder können sich die freiberufliche Arbeit nicht mehr leisten. Im klinischen System sind sie überlastet, sie sind mehr mit Putzen und Dokumentation beschäftigt, als sie Zeit für die Mutter haben. Dabei ist so wichtig, in der Zeit der Schwangerschaft und Geburt die Selbstbestimmung der Mutter zu achten und sie in ihren Wünschen zu unterstützen. Es gibt schon seit den 70er-Jahren Studien, die klar belegen, dass es den Geburtsverlauf positiv beeinflusst, wenn die Frauen währenddessen verlässliche, Ihnen zugewandte Ansprechpartner haben. Wenn eine Frau sich während der Geburt nicht gut aufgehoben fühlt, wenn sie Angst hat, dann werden die Geburtsverläufe  – nicht immer, aber oft – pathologisch. Ich glaube darüber müssen wir uns als Gesellschaft wieder stärker bewusst werden.

 

Haben Sie nicht das Gefühl, es setzt gerade ein Umdenken ein? Gerade seit dem letzten Jahr gehen viele Menschen auf die Straße, um für die Hebammen und die Geburtshilfe zu kämpfen.

Ja, die Proteste zeigen, dass viele Frauen Geburten ernstnehmen und wissen, was Ihnen dabei gut tut. Ich und meine Kolleginnen setzen uns seit zehn Jahren sehr für die Hebammenarbeit ein, weil wir wissen, wie wichtig sie ist. Wir schreiben Petitionen, organisieren Demos – aber das Frustrierende ist: Ich sehe nicht, dass es einen Effekt hat! Da fühle ich mich von der Politik alleingelassen. Ich verfolge auch mit viel Interesse die Aktion „Roses Revolution“: Dabei legen Frauen nach der traumatischen Geburt vor Kliniken oder Praxen eine Rose nieder zum Zeichen, dass ihnen da schlimme Dinge widerfahren sind. So oft höre ich im Bekanntenkreis: „Na ja, dann gehe ich halt in die Klinik und dann ist die Geburt halt so wie sie ist.“ Da denke ich: Geburten sind kein notwendiges Übel! Es kann so schön sein, ein Kind zur Welt zu bringen! Der Moment nach der Geburt, wenn die Frauen sich ihrer eigenen Kraft und Stärke so bewusst sind –das ist ein richtiger Schatz! Aber dafür müssen die Voraussetzungen stimmen. Eine Geburt ist so ein sensibler Prozess und es ist so wichtig, dass Frauen dabei von den Menschen umgeben sind und begleitet werden, die sie sich für sich ausgesucht haben. Scheinbar kleine Gesten können den Geburtsverlauf entscheidend beeinflussen.

 

Diese kleinen Gesten – da kommen Sie als Doula wieder ins Spiel. Wie findet eine werdende Mutter denn eine Doula?

Am besten über das Internet. Der Verein www.doulas-in-Deutschland.de hat z.B. eine Landkarte online, auf der alle Doulas verzeichnet sind. Jede Doula hat in der Regel eine Website, auf der auch ihre Ausbildung und Qualifikationen aufgelistet sind.

 

Wie sieht die Qualifikation einer Doula aus?

Doulas in Deutschland e.V. und die Gesellschaft für Geburtsvorbereitung (GfG) bieten eine Ausbildung an. Da lernt man viel über die Physiologie der Geburt, über natürliche Schmerzlinderung, aber auch Praktisches wie rechtliche Regelungen. Das alles zusammen ergibt einen guten Rucksack an Wissen. Viel lernt man natürlich in der praktischen Arbeit – auch schon während der Ausbildung. Übrigens ist es in Deutschland in der Regel Voraussetzung, dass man selbst bereits ein Kind geboren hat. Die meisten Doulas entscheiden sich nach der Erfahrung eigener Geburten für diese Tätigkeit.

 

Was kostet die Betreuung durch eine Doula?

Das ist unterschiedlich, meist zwischen 450 und 600 Euro. Bei mir sind z.B. darin die Geburtsbegleitung, drei Vortreffen und ein Nachtreffen inbegriffen – und natürlich die Wochen der Rufbereitschaft vor der Geburt. Wenn die Frau Probleme hat, das Honorar aufzubringen, gibt es auch immer Möglichkeiten – Ratenzahlung oder manchmal schießt auch der Verein zu. Ich habe auch schon von Krankenkassen gehört, die die Betreuung durch eine Doula unter bestimmten Umständen übernehmen.

 

 

 

 

Kristina Wierzba-Bloedorn ist Mutter von drei Kindern, seit 2007 Doula und Gründungsmitglied von Doulas in Deutschland e.V. www.doula-kristina.de, www.bauchgeburt.de,  www.doulas-in-deutschland.de

 

 

 

 

 

Planst du eine Doula bei der Geburt dabei zu haben? Oder hast sogar schon einmal mit ihrer Unterstützung entbunden? Erzähl uns doch davon unter kontakt@medela.de oder auf Facebook!