Eipollablösung, Wehentropf, Sex ̶ zur Geburtseinleitung gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Im Interview erklärt Andrea Hagen-Herpay, Beratende Hebamme beim Deutschen Hebammenverband, wie die einzelnen Methoden funktionieren.

Geburtseinleitung: Welche Methoden gibt es?

Eipollablösung, Wehentropf, Sex  ̶  zur Geburtseinleitung gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Im Interview erklärt Andrea Hagen-Herpay, Beratende Hebamme beim Deutschen Hebammenverband, wie die einzelnen Methoden funktionieren und was man selbst tun kann, um die Geburt in Gang zu bringen.

 

Ist der errechnete Geburtstermin überschritten, kann das Warten auf die Geburt nervenaufreibend sein. In welchen Fällen kommt es zur Einleitung?

Dazu gibt es spezielle Richtlinien, nach denen sich die Chefärzte der Kliniken richten. Allerdings gibt es deutschlandweit keine einheitliche Vorgehensweise. Manche Kliniken leiten die Geburt ein, wenn die Frau den errechneten Geburtstermin um acht Tage überschritten hat; andere tun dies erst nach zehn oder gar 14 Tagen. Natürlich gibt es einen Kriterienkatalog nach dem dabei vorgegangen wird, z.B. ob genug Fruchtwasser vorhanden ist oder ob die Herztöne des Kindes in Ordnung sind. Ein Stück weit ist die Entscheidung somit individuell. Zudem ist sie auch abhängig davon, ob die Frau eine Einleitung möchte. Sicherlich spielt es auch eine Rolle, ob die Frau unter Vorerkrankungen wie etwa Schwangerschaftsdiabetes leidet oder ob die Geburt ad hoc eingeleitet werden muss, weil irgendetwas vorgefallen ist.

 

Welche Methoden zur Geburtseinleitung sind in  der Praxis gängig?

Es gibt unterschiedliche Verfahren. Ist der Muttermund bereits weich und fingerdurchgängig, ist eine sogenannte Eipollösung möglich. Dabei wird der untere Fruchtblasenpol vom Muttermund abgelöst. Der Arzt versucht die äußere Hülle der Fruchtblase, die sogenannten Eihäute, vorsichtig vom Gebärmutterhals abzulösen. Die Fruchtblase wird dabei nicht geöffnet. Man hofft, dass die Geburt dadurch innerhalb von 48 Stunden ausgelöst wird.

 

Hört sich schmerzhaft an.

Sagen wir es so: Der einen Frau tut es sehr weh, der anderen weniger. Aber definitiv ist die Eipollösung unangenehm.

 

Gibt es Alternativen?

Ja, sogenannte Prostaglandine. Als Gel oder Tampon werden diese auf den Muttermund aufgetragen oder vor diesen gelegt, um Wehen auszulösen. Den Zeitpunkt, zu dem diese dann tatsächlich einsetzen, kann man vorher aber nicht genau bestimmen. Das ist individuell unterschiedlich: Bei der einen Frau dauert es nur zwei, drei Stunden – andere reagieren erst nach zwei, drei Tagen darauf. Ist der Muttermund geburtsreif und bereits leicht geöffnet, wird häufig auch eine Oxytocin-Infusion verabreicht. Oxytocin ist ein Hormon, das zu Gebärmutterkontraktionen führt. In Form einer Infusion löst es zeitnah Wehen aus.

 

Viele Kliniken verabreichen auch das Medikament Cytotec.

Stimmt. Cytotec ist ein off-label-Produkt und hierzulande eigentlich nicht für die Geburtseinleitung zugelassen. Es handelt sich um ein Magenmittel auf „Prostaglandin Basis“. Da Cytotec aber auch Wehen auslöst, wird es häufig zur Geburtseinleitung eingesetzt. Allerdings muss die Frau vor der Einnahme genau aufgeklärt werden und auch einen Einwilligungsbogen unterschreiben. Viele Kliniken verabreichen es übrigens gerne, weil es sehr kostengünstig ist.

 

In früheren Generation galt der Rizinus-Cocktail als Zaubermittel. Würden Sie ihn empfehlen?

Nein. Letztendlich bekommt die Frau davon schrecklichen Durchfall und ihre körperliche Verfassung verschlechtert sich. Vielleicht löst dieser Gesamtzustand bei manchen Schwangeren auch Wehen aus. Ob das so ist, weiß man nicht. Fest steht, dass die Wirkungsweise des Rizinus-Cocktails wissenschaftlich nicht erwiesen ist. Ich würde deshalb eher zu geburtsvorbereitender Akkupunktur raten. Auch gut ist Himbeerblättertee zur sanften Geburtsvorbereitung. Dieser lockert die Muskulatur. Außerdem kann Himbeerblättertee sanft die Wehen anstupsen und die Geburt insgesamt erleichtern.

 

Was kann man selbst tun?

Manchen Frauen wird empfohlen, Geschlechtsverkehr zu haben, weil das männliche Spermium Prostaglandine enthält. Sich viel zu bewegen ist auch auf jeden Fall gut. Von heißen Bädern, die auch oft empfohlen werden, rate ich ab. Viele Frauen bekommen davon lediglich Kreislaufbeschwerden. Am besten sollte man sich mit seiner Hebamme besprechen und vor allem ruhig und gelassen bleiben. Irgendwann geht’s schon los!

 

 

Andrea Hagen-Herpay, Beratende Hebamme beim Deutschen Hebammenverband.

Andrea Hagen-Herpay, Beratende Hebamme beim Deutschen Hebammenverband.

 

Deutscher Hebammen Verband

 

Mehr Informationen findet ihr unter: www.hebammenverband.de