Was ist der ideale Abstand zwischen Geschwister?

Geschwister: Was ist der ideale Abstand?

Harmonisch und eng soll ihre Beziehung im Optimalfall sein: Ob das tatsächlich der Fall ist oder ob es im Kinderzimmer häufig Streit gibt, kann auch vom Altersabstand der Geschwister abhängen.

 

 

1 bis 2 Jahre Abstand

Klar, wenn deine Kinder dicht aufeinander gekommen sind, bist du vor allem in der Anfangsphase stark gefordert: Füttern, Windeln wechseln, Anziehen, Baden – im Grunde bist du ständig im Einsatz. Das kostet viel Kraft und ist manchmal auch eine Belastungsprobe. Andererseits hat ein geringer Altersabstand einen großen Vorteil: Die Kinder haben ähnliche Interessen. Du musst dir für das Erstgeborene kein ausgefeiltes Freizeitprogramm ausdenken und es großartig aktiv beschäftigen. Am besten bindest du es einfach voll in den Alltag mit ein. Erklär beispielsweise, dass du dem Baby gerade die Windel wechselst und fordere es auf, es dir nachzutun und eine Puppe zu wickeln. So begleitet es den Baby-Alltag spielend und merkt, dass es dazugehört. Sollte dein Erstgeborenes trotzdem eifersüchtig auf das Baby sein, öfters Wutausbrüche haben oder klammern, hilft Kuscheln und Geduld.

 

 

 

Natürlich müssen sich deine beiden Kleinen erst mal aneinander gewöhnen – und das dauert manchmal eben ein bisschen. Zum Glück gibt es aber viele Sachen, die ihr gemeinsam machen könnt und die Beziehung zwischen den beiden stärken: Hört z.B. gemeinsam Kinderlieder. Musik mögen Babys und Kleinkinder. Singen und Tanzen findet dein Großes bestimmt auch prima – und das Baby kann dabei im Tragetuch liegen. Ist dein Kleines schon im Krabbelalter, wird es Bilderbücher oder Spiele mit einem rollenden Ball lieben. Und deinem Großen macht das auch Spaß.

 

 

Drei bis vier Jahre Abstand

Bei diesem Altersabstand ist der Alltag meist deutlich entspannter. Dein Großes muss nicht mehr gewickelt und gefüttert werden und kann auch mal ein paar Minuten alleine puzzeln oder malen. Außerdem lässt die ganz enge Bindung zwischen Eltern und Kind ab einem Alter von etwa drei Jahren nach. Auch aus entwicklungspsychologischer Sicht ist dieser Altersabstand deshalb ideal.

 

Trotzdem kann es natürlich sein, dass dein Großes eifersüchtig auf das Baby ist. Es zeigt das aber wahrscheinlich nicht mehr so offensichtlich. Statt sich aus Wut über die Entthronung auf den Boden zu werfen und lauthals zu schreien, ignoriert es dich jetzt vielleicht aus heiterem Himmel. Plötzlich will es nur noch von Papa zu Bett gebracht werden und du bist Luft. Gut zu wissen: Dahinter verbirgt sich die Angst, den angestammten Platz zu verlieren. Am besten helfen hier exklusive Kuschelminuten. Vermittel deinem Erstgeborenen, dass du es sehr lieb hast – auch wenn du dich gerade vielleicht ein bisschen intensiver um das kleine Geschwisterchen kümmerst. Gut wird es deiner Großen / deinem Großen auch tun, wenn ihr mal ein paar Stunden nur zu zweit verbringt und z.B. wie früher alleine auf den Spielplatz geht. Wie in alten Zeiten steht dein Erstgeborenes dann wieder voll im Mittelpunkt und muss sich nicht dem Baby unterordnen. Du wirst sehen: Das tut deinem Großen gut!

 

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Damit sich beide möglichst gut aneinander gewöhnen können, solltest du auch hier versuchen, dein Erstgeborenes möglichst stark in den Alltag miteinzubeziehen. Egal, ob beim Wickeln oder Brei kochen – lass es mitmachen. Helfen macht Kinder stolz. Und ganz nebenbei wächst dein Erstgeborenes in die Rolle des Älteren, das dem Jüngeren etwas beibringen kann.

Sicherlich wirst du gerade im ersten Lebensjahr des Babys viel mit dem Kinderwagen unterwegs sein. Das ist auch für dein Großes gut, denn Kinder im Alter von drei vier Jahren lieben Bewegung. Solche Spaziergänge kannst du ganz nebenbei auch zur Abenteuerreise machen: Lass dein Großes nach Kleeblättern, Schneckenhäusern oder Tannenzapfen suchen. Das findet es bestimmt aufregend.

 

 

Sechs Jahre und mehr

Das eine Kind liebt es, mit Barbies oder Lego zu spielen; das andere wird noch gestillt und verbringt die meiste Zeit schlafend: Bei einem Altersabstand von sechs und mehr Jahren leben beide Geschwister in getrennten Welten. Es kann sein, dass dein Großes freudig und stolz auf die Geburt des Geschwisterchens reagiert – aber wenig später plötzlich z.B. wieder in die Kleinkindsprechweise zurückfällt oder nachts in dein Bett krabbelt. In solchen Situationen hilft es wenig, an die Vernunft des Kindes zu appellieren. Sätze wie „Du bist doch schon groß, jetzt stell dich nicht so an!“ bringen nichts. Im Gegenteil: Für das Kind bedeutet es, dass groß sein blöd ist, weil man immerzu zurückstecken muss. Besser: Mach mit ihm z.B. eine Traumreise, in dem du es beschreiben lässt, wie es sich anfühlt, ein Geschwisterchen zu haben. So erfährst du mehr über die Gefühle deines Kindes und kannst besser darauf eingehen. Denk dran, dass auch ein sechsjähriges Kind noch klein ist – selbst wenn es dir im Vergleich zu deinem Baby schon unglaublich groß erscheint.

 

Versuche deinem älteren Kind zu vermitteln, dass es auch weiterhin klein sein darf. Und dass es trotzdem ernst genommen wird. Frag es, was es am Nachmittag am liebsten machen möchte. Überlegt dann gemeinsam, wie sich das umsetzen lässt und wie das jüngere Geschwisterchen einbezogen werden kann. Das fördert das Einfühlungsvermögen und zugleich fühlt sich dein Großes ernst genommen. Sicherlich, immer geht das nicht. Viele Babys schlafen nur beim Spazierengehen im Kinderwagen – und da muss dein Großes nachmittags mit, ob es nun will oder nicht. Gegen Langeweile beim Spazierengehen helfen aber z.B. kleine Zahlen-Spiele. Gib deinem Kind Aufgaben. Bitte es, alle grünen, roten oder blauen Autos zu zählen. Macht bestimmt Spaß!

 

 

Was ist für euch der ideale Abstand und was sind die Vorteile? Schreibt uns doch unter kontakt@medela.de eure Erfahrungen.