Hautveränderungen in der Schwangerschaft – Pflege-Tipps vom Profi

Ob Juckreiz, spannende Haut, Besenreiser oder Krampfadern: In der Schwangerschaft verändert sich unsere Haut stark und das hat nicht immer nur positive Folgen. Die Kölner Dermatologin Dr. Anne Hundgeburth erklärt, woran das liegt und was wirklich hilft.

 

 

Viele Frauen blühen in der Schwangerschaft regelrecht auf: Ihre Haut wird glatt und rosig. Woran liegts?

Durch den erhöhten Östrogenspiegel lagert sich Wasser im Gewebe ein. Dadurch wird die Haut weicher und geschmeidiger. Sogar erste Fältchen können durch den Quelleffekt verschwinden.

 

 

Manche Frauen haben leider auch weniger Glück: Ihre Haut wird empfindlich oder sogar fettig. Sind dafür auch die Hormone verantwortlich?

Ja. Die Haut wird dehnbarer, empfindlicher, und leider können die Hormone auch die Talgproduktion und die Entzündungsneigung der Haut ankurbeln. Es kann sogar zu Akne kommen. Zusätzlich droht während einer Schwangerschaft ein Mangel an Mikronährstoffen, da der Körper der Mutter das Baby mit allen notwendigen Mineralien und Vitaminen versorgen muss. Ohnehin schon empfindliche Haut wird durch den zusätzlichen Mikronährstoffmangel noch reizbarer und neigt zu Ekzemen.

 

 

Wie kann man gegensteuern?

Ganz wichtig ist die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels mit  den wichtigsten Mikronährstoffen, damit die Haut ausreichend mit diesen versorgt wird. Das ist sozusagen Hautpflege von innen. Ausgewogene Ernährung allein reicht hier nicht aus. Zur äußerlichen Pflege empfehle ich Dermokosmetik. Diese unterstützt den Stoffwechsel der Haut und kräftigt sie.

 

 

Gerne werden in Ratgebern auch teure Öle empfohlen. Eine sinnvolle Investition?

Nein! Im Gegenteil: Durch Öle wird lediglich die oberste Hornschicht der Haut gefettet, was die natürliche Wasserverdunstung aus der Haut behindert. Dadurch wirkt die Haut natürlich geschmeidig. Tatsächlich aber entsteht ein feuchtwarmes Milieu auf der Haut, und es sammeln sich vermehrt Bakterien an. Diese reizen die empfindliche Haut und können Ekzeme provozieren. Besonders gefährdet sind die großen Hautfalten. Hier ist es am wärmsten, und die Wasserverdunstung ist ohnehin schon schlecht. Deshalb leiden viele Schwangere unter den Brüsten, am Bauch oder an den Innenseiten der Oberschenkel verstärkt unter Entzündungen und Hautrötungen. Auch Pilzinfektionen sind häufig.

 

 

Was hilft?

Besser zur täglichen Pflege geeignet sind moderne Fruchtsäurepräparate. Denn Fruchtsäuren regen den Stoffwechsel der Haut an und stimulieren die Hautzellen zur verstärkten Bildung natürlicher Hyaluronsäure. Diese ist verantwortlich für die Wasserbindung in der Haut. Und eine besser durchfeuchtete Haut ist geschmeidiger und weniger empfindlich. Gut sind leichte Emulsionen wie Episoft A, die durch eine ausgewogene Kombination von freien Fruchtsäuren und Milchsäuresalz eine gute Verträglichkeit gewährleisten. Wichtig hierfür ist, dass der pH-Wert des Präparates nur knapp unter dem normalen pH-Wert der Haut, am besten bei 4,5, liegt.  

 

 

Ihr Tipp gegen Mitesser und Akne?

Ein Mitesser ist bekanntlich nichts anderes als ein Talgstau in der Haut. Am besten helfen hier ebenfalls Fruchtsäurepräparate. Allerdings sollte ihr pH-Wert etwas niedriger sein und nur bei etwa 3,8 liegen. Die natürliche  Abschilferung der Hornzellen wird unterstützt und die Poren verhornen weniger. Außerdem begrenzt das saure Milieu die Vermehrung von Aknebakterien.

 

 

Mit zunehmender Größe spannt oder juckt auch oft die Bauchhaut.

Stimmt. Durch das Dehnen vergrößert sich der Abstand zwischen den Hornzellen in der obersten Hautschicht, so dass Hautkeime leichter eindringen können. Eigentlich sind diese harmlos. Dennoch startet das Immunsystem der Haut sofort eine Abwehrreaktion, um sie wieder aus dem Körper zu schleusen. Die Folge sind Juckreiz,  Rötungen oder sogar Ekzeme. Zu empfehlen ist hier wieder die Pflege mit einem Fruchtsäurepräparat, da dies die Haut nicht nur geschmeidig hält, sondern die Hornschicht auch kompakter macht. Allerdings darf man mit dem Einsatz nicht warten bis das Ekzem schon da ist. Denn bei bereits gereizter Haut brennt ein solches Präparat beim Auftragen und reizt zusätzlich. Deshalb würde ich Schwangeren raten, sich von Anfang an schon vorbeugend nach jedem Duschen von Kopf bis Fuß mit einer entsprechenden Dermokosmetik einzureiben.

 

 

Angeblich sollen Zupfmassagen gegen Schwangerschaftsstreifen helfen.

Das ist Unfug! Sinnvoller ist es, während der Schwangerschaft nicht zu schnell und vor allem insgesamt auch nicht zu viel an Gewicht zuzulegen. So vermeidet man am ehesten eine Überdehnung der Haut und die damit verbundenen unschönen Risse. Kommen sie bei Schwangeren mit wenig elastischer Haut trotzdem, kann der Dermatologe nach der Schwangerschaft durch Mesotherapie oder anderen Methoden zur Hautstraffung helfen, dass sie schnell abheilen und möglichst schmal werden.

 

 

Venenprobleme sind gerade unter Schwangeren weit verbreitet. Kann man eigentlich Besenreisern und Krampfadern vorbeugen?

Besenreiser sind weitgestellte, winzige Venen, die oberflächlich in der Haut verlaufen, weshalb das Blut rötlich bis bläulich durchschimmert. Krampfadern bezeichnen größere gedehnte Venen.

 

Besenreiser und Krampfadern bilden sich häufig nach der Schwangerschaft wieder zurück. Bei Bindegewebsschwäche hat man eine Veranlagung zu Besenreisern und Krampfadern. Hier ist die Vorbeugung einer Überdehnung besonders wichtig, denn überdehnte Gefäße bilden sich leider nicht mehr zurück. Zur Kräftigung der Gefäßwände ist eine Nahrungsergänzung zum Beispiel mit Rosskastanienextrakt zu empfehlen. Bei bekannter Bindegewebsschwäche oder bereits vorhandenen Krampfadern sollten zusätzlich Kompressionsstrümpfe wenigstens bis zum Knie getragen werden. Ich empfehle diesbezüglich, den Rat eines Dermatologen oder Phlebologen, das ist der auf Venen spezialisierte Arzt, einzuholen.

 

 

Viele Schwangere bekommen vermehrt Pigmentflecken oder großflächige Bräunungen im Gesicht. Verschwinden diese später wieder?

Leider nur manchmal. Die sogenannten Schwangerschaftsflecken bilden sich aufgrund der erhöhten Hormonproduktion unter dem Einfluss der UV-Strahlen der Sonne. Zur Vorsorge verwendet man beim Sonnenbaden am besten einen besonders hohen UV-Schutz, am besten ein Präparat mit Lichtschutzfaktor 50+. Treten die Flecken trotzdem auf, gibt es Dermokosmetik mit Wirkstoffen, die die Pigmentbildung in der Haut etwas bremsen. Nach der Schwangerschaft kann der Dermatologe zusätzlich mit oberflächlichen Fruchtsäure-Peelings helfen, die Flecken aufzuhellen. Es gilt: Je schneller eine Behandlung eingeleitet wird, desto erfolgreicher ist sie. Spätestens drei Monate nach der Geburt des Kindes sollte man deshalb damit beginnen.

 

 

 

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Dr. Anne Hundgeburth ist Dermatologin in Köln. Die Hautärztin ist Inhaberin der privatärztlichen Hautarztpraxis Dermatologie & Urologie Kastanienhof, der Kosmetik Kastanienhof und der Akademie Kastanienhof in Köln.