HypnoBirthing ist eine natürliche Methode, die Geburt entspannt, bewusst und vor allem mit möglichst wenig Schmerzen zu erleben

HypnoBirthing – die sanfte Geburt unter Selbsthypnose

Es ist eine natürliche Methode, die Geburt entspannt, bewusst und vor allem mit möglichst wenig Schmerzen zu erleben: HypnoBirthing boomt mittlerweile auch hierzulande. Im Interview erklärt Dagmar Hofmann, Hebamme und HypnoBirthing-Expertin aus München, wie es funktioniert. 

 

Eine schmerzfreie Geburt – das wünschen sich wohl alle Frauen. Wird das durch HypnoBirthing möglich?

Das Urkonzept betont sehr stark die schmerzfreie Geburt – ohne das aber jemals zu versprechen. Ich würde es so sagen: Frauen, die sich mit HypnoBirthing vorbereiten, erleben häufiger schmerzarme oder sogar schmerzfreie Geburten. Dies ist jedoch nicht das vorrangige Ziel! Viel wichtiger ist, dass die werdende Mama lernt, zu jedem Zeitpunkt der Geburt ganz in ihrer Kraft und mit voller Aufmerksamkeit beim Geschehen zu sein, mit ihrem Körper zu arbeiten und dabei so gut wie möglich zu entspannen. So können die körpereigenen Schmerzmittel ihre Wirkung entfalten. Nicht zuletzt ist die Trance auch der ganz normale Zustand während einer Geburt. Dieses Wissen ist aber leider in unserer technikorientierten Zeit verloren gegangen.

 

Viele Frauen haben Angst vor der Geburt. Kann HypnoBirthing helfen?

Definitiv. Eine Geburt ist in erster Linie ein gesunder, natürlicher Vorgang, dessen Prozess während der Evolution über Jahrmillionen vom weiblichen Körper perfektioniert wurde. In unserer modernen Welt gilt eine Geburt aber leider zwangsläufig als schmerzhaftes Ereignis. Mittlerweile halten es viele Frauen nicht mehr für möglich, dass eine Geburt auch anders sein kann und haben deshalb große Angst. HypnoBirthing bestärkt sie im Vertrauen in ihre Fähigkeit, ihr Kind natürlich und aus eigener Kraft zu gebären. Ängste werden durch Zuversicht ersetzt. Dabei werden eine Vielzahl von Hormonen, unter anderem körpereigene Glückshormone, sogenannte Endorphine, ausgeschüttet und ein Zustand intensiver Entspannung erreicht. 

 

Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Die Frauen lernen Entspannungstechniken. Das Wesentliche ist vor allem aber auch die Angstauflösung in den Hypnosen. Dieser therapeutische Ansatz ist beim HypnoBirthing ganz anders als in einem normalen Geburtsvorbereitungskurs.

 

Ab welchem Zeitpunkt ist es sinnvoll, mit HypnoBirthing zu beginnen?

Da das HypnoBirthing-Konzept auf Üben und Vertiefen aufbaut, ist es vorteilhaft, früh einen Kurs zu starten, gerne schon in der 20. Schwangerschaftswoche. Idealerweise ist der Kurs mit Beginn des Mutterschutzes beendet. Aber auch Kurzentschlossene können oft mit konsequentem Üben noch viel erreichen. Es ist nie zu spät zum Anfangen.

 

Sie sind Hebamme und haben schon mehr als 300 Eltern und ihre Babys mit HypnoBirthing begleitet. Wie läuft so ein Kurs ab?

Der Kurs richtet sich an Paare und hat eine Länge von etwa 14 Stunden, die unterteilt sind in vier Einheiten. Zunächst sprechen wir allgemein über die Geburt, bisherige Erfahrungen und natürlich über grundlegende Themen wie etwa den Ablauf einer Geburt auf körperlicher Ebene. Wichtiger Kursbestandteil ist es, bestimmte Techniken der Tiefenentspannung zu erlernen wie etwa eine langsame, bewusste Bauchatmung, die die Wellenbewegungen der Kontraktionen unterstützt. Ebenfalls dazu gehören Entspannungstechniken wie etwa progressive Muskelentspannung. Auch bestimmte Visualisierungen können helfen, sich leichter zu entspannen: Die sich öffnende Blüte ist ein schönes Bild dafür, dass sich der Körper ganz von selbst öffnet, ohne dass ich aktiv etwas dazu tun muss.

 

Beim Wort Hypnose denken viele trotzdem wahrscheinlich zunächst an Bühnen- oder Showhypnose.

Möglich. Sie gleicht aber eher der therapeutischen Hypnose, wie sie auch bei Kurzzeittherapien zur Angstlösung, bei chronischen Schmerzen oder im zahnmedizinischen Bereich heute schon häufig zum Einsatz kommt. 

 

Was passiert bei dieser Form der Selbsthypnose?

Zum einen ist der Körper in Hypnose wesentlich entspannter. Er ist auch zugänglicher für Suggestionen, die die Entspannung weiter vertiefen. Wir haben auch Zugang zum Unterbewusstsein und können angstmachende Vorstellungen und Überzeugungen bearbeiten. Dadurch werden angstmachende Vorstellungen über Geburt durch Vertrauen in den eigenen Körper ersetzt. Auch die Sprache ist wichtig: Deshalb werden „Wehen“ einfach Wellen oder Kontraktionen genannt. Ziel ist es, Ängste effektiv aufzulösen. So können die Frauen schon in der Schwangerschaft zu einer tiefen Entspannung finden. Sie lernen, wie sie sich selbst die Instruktionen geben können, um in Hypnose und somit in einen tranceähnlichen Zustand zu gleiten.

 

Hört sich abgehoben an.

Ist es aber nicht. In Wirklichkeit ist die Trance sogar der ganz normale Zustand, in den jede Gebärende mit der Zeit gleitet, wenn sie sich geschützt und in Sicherheit fühlt. Es bedeutet einfach nur, dass im Trancezustand unser Hirn in weiten Regionen langsamer schwingt, der Puls und Blutdruck sich normalisieren, die Muskeln sich besser entspannen. Das fühlt sich angenehm an und sorgt dafür, dass die Geburt einfacher vonstatten geht.

 

Und während der Geburt…

…zieht sich die Frau in ihrer Wahrnehmung von der Außenwelt zurück und kehrt sich nach innen. So gleitet sie eben in diesen Trancezustand, der sich mit Fortschreiten der Geburt mehr und mehr vertieft. Damit das tatsächlich funktioniert, wird die Geburt in Trance durchgespielt. Ich gebe meinen Kursteilnehmerinnen regelmäßig auch Übungen als Hausaufgabe. Wie beim Erlernen einer Sprache oder eines Musikinstruments führen hier Beständigkeit und Übung zuverlässig zum Ziel. Leider haben wir nämlich einfach nur verlernt, in diesen Trancezustand zu gehen, er ist aber eine natürliche Fähigkeit jedes Menschen.

 

Die Schwangeren üben so intensiv, dass sie es bei der realen Geburt relativ einfach abrufen können. 

Genau. Zudem bekommen sie sogenannte Anker mit. In der Hypnosetherapie sind das bestimmte Dinge oder Kleinigkeiten, die auf verschiedensten Ebenen dazu führen, dass man sich an jedem beliebigen Ort wieder mit Ruhe und Kraft verbinden kann. 

 

Welche Form können diese Anker haben?

Das ist ganz unterschiedlich. Es kann eine kleine Geste sein, wie etwa Daumen- und Zeigefingerkuppe fest aneinander drücken und dabei langsam ausatmen. Durch die Hypnose hat sich eingeprägt, dass man immer bei dieser Geste innerlich zur Ruhe kommt. Das übe ich zum Beispiel mit den Frauen. Ein Anker können aber auch bestimmte Gerüche sein, z.B. der Duft nach Lavendel oder Orangenblüten. Umgibt sich die Frau auch bei der Geburt in der Klinik mit dem Duft, verbindet sie selbst an diesem fremden Ort ganz automatisch Ruhe und Entspannung damit. 

 

Ist die Frau in diesem Trancezustand während der Geburt überhaupt ansprechbar?

Ja, natürlich! Sie hat jederzeit alles unter Kontrolle, bleibt wach und voller Energie.

 

Welche Rolle nimmt der Partner ein?

Er ist der wichtigste Geburtsbegleiter und nimmt eine aktive, fürsorgende Rolle während der Geburt ein. Deshalb sollte er genauso gut vorbereitet sein. Aus diesem Grund werden im Kurs auch viele Übungen gemeinsam für Paare gemacht, z.B. eine Berührungsmassage. Es ist immer schön zu sehen, wie Paare während eines Kurses zusammenwachsen. HypnoBirthing fördert eine tiefe Bindung der werdenden Familie. Die Ruhe des Mannes überträgt sich außerdem während der Geburt wohltuend auf die Frau.

 

 

Dagmar Hofmann, Hebamme, gibt HypnoBirthing Kurse

 

Dagmar Hofmann, 42, ist Hebamme aus München und gibt HypnoBirthing-Kurse. Mehr Infos: www.hypnobirthing-muenchen.de