Kaiserschnitt

Kaiserschnitt – was erwartet mich?

Fast jedes dritte Kind kommt in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt. Doch was passiert eigentlich dabei genau? Wir haben Experten gefragt.

 

Unter welchen Umständen wird ein Kaiserschnitt durchgeführt?

Handelt es sich nicht um einen Wunschkaiserschnitt, wird eine Sectio (so die medizinische Bezeichnung) nur dann vorgenommen, wenn eine natürliche Geburt nicht oder nur mit einem sehr hohen Risiko möglich ist. „Befindet sich etwa der Mutterkuchen vor dem Ausgang der Gebärmutter, würde es bei einer normalen Geburt zu einer lebensgefährlichen Blutung für Mutter und Kind kommen“, erklärt Prof. Thomas Dimpfl, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Kassel. „Deshalb wird hier immer ein Kaiserschnitt vorgenommen.“ Liegt das Kind quer, wird zunächst eine äußere Wendung versucht. Gelingt es nicht, das Kind in die richtige Geburtsposition zu bringen, ist ein Kaiserschnitt notwendig. Auch bei der sogenannten Beckenendlage, wenn der Po anstatt des Köpfchens nach unten zeigt, wird vor allem bei Erstgebärenden meist ein Kaiserschnitt vorgenommen. Ein zu großes Baby oder eine Mehrlingsschwangerschaft können ebenfalls Gründe für einen Kaiserschnitt sein. „Außerdem ist ein Kaiserschnitt empfehlenswert, wenn die Mutter oder das Baby krank sind und die Strapaze einer natürlichen Geburt nicht gut überstehen würden“, sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.

 

Wie läuft die Vorbereitung bei einem geplanten Kaiserschnitt ab?

Das Geburtsplanungsgespräch in der Klinik findet so früh wie möglich statt, in der Regel zwischen der 32. und 34. SSW. Dazu brauchst du eine Überweisung deines behandelnden Gynäkologen. An diesem Termin wird ein Ultraschall vorgenommen, bei dem Größe und Gewicht des Kindes nochmals geschätzt werden; zudem wird der Muttermund untersucht und ein CTG geschrieben. Soll der Kaiserschnitt aufgrund einer Quer- oder Beckenendlage durchgeführt werden, wird in der 37. oder 38. SSW nochmals überprüft, ob sich die Geburtsposition des Kindes im Mutterleib vielleicht verändert hat. „Ist dies nicht der Fall, versucht man heutzutage, den Kaiserschnitt möglichst nahe am errechneten Geburtstermin durchzuführen, also ab der abgeschlossenen 39. Schwangerschaftswoche“, so Prof. Dimpfl.

 

Was passiert im OP?

Im OP werden zunächst die EKG-Elektroden und eine Blutdruckmanschette zur Kreislaufüberwachung angelegt. Der Anästhesist legt die Periduralanästhesie (PDA) oder Spinalanästhesie. Dadurch bist du zwar örtlich betäubt und hast keine Schmerzen, bekommst aber alles mit. In der Regel wird vor der Operation ein Katheter gelegt, damit die Blase leer bleibt. Dies ist durch die örtliche Betäubung  meist schmerzlos. Damit du nichts von der Operation siehst, wird ein Sichtschutz gespannt. Nachdem der Anästhesist überprüft hat, dass die Betäubung auch wirkt, öffnet der operierende Arzt die Bauchdecke oberhalb des Schambeins und durchtrennt die unter der Haut liegenden Gewebe bis zur Gebärmutter. Jetzt kann er die Gebärmutter mit einem kleinen Schnitt eröffnen und nimmt das Kind mit wenigen Handgriffen heraus. Nach dem Abnabeln übergibt er das Baby der Hebamme und löst die Plazenta aus der Gebärmutter durch die Bauchöffnung heraus. Anschließend verschließt er den Bauchschnitt sorgfältig Schicht für Schicht.

 

Darf mein Partner die ganze Zeit dabei sein?

Ja! Die meisten Kliniken sind auf die Anwesenheit des Vaters im Operationssaal eingestellt. In OP-Bekleidung sitzt dein Partner neben dir am Kopfende hinter dem Sichtschutz damit ihr beide gemeinsam euer Baby in Empfang nehmen könnt.

 

Darf ich mein Baby nach der Geburt gleich im Arm halten?

Wenn es euch beiden gut geht und Hebamme und Arzt keine Probleme sehen, darf du mit Hilfe deines Partners und der Schwestern in vielen Krankhäusern dein Baby noch im OP vorsichtig auf deiner Brust halten. Nach der OP habt ihr im Kreissaal Zeit, ausgiebig zu kuscheln. Hier legst du dein Baby dann auch zum ersten Mal an.

 

Wann kommt es zum Notkaiserschnitt?

Es gibt Situationen, die während einer Geburt plötzlich und unerwartet einen Kaiserschnitt erforderlich machen. „Gibt es Anzeichen, dass es dem Kind schlecht geht und ist zugleich nicht abzusehen, dass es auf natürlichem Weg zeitnah kommt, macht man einen Kaiserschnitt“, sagt Prof. Dimpfl. „Da es in diesem Fall schnell gehen muss, wird die Operation dann in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt.“

 

 Wie wirkt sich ein Kaiserschnitt auf mein Kind aus?

„Früher dachte man, dass Kinder nach einem Kaiserschnitt einige gesundheitliche Risiken haben“, sagt Dr. Albring. „Das liegt daran, dass ein Kaiserschnitt früher meist deutlich vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführt wurde, die Kinder also noch nicht vollständig reif waren für das Leben. Die wenigen Tage, die bis zur natürlichen Geburt fehlen, können im Einzelfall zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit führen.“ Deshalb wird heute der Termin für einen geplanten Kaiserschnitt so nahe wie möglich am errechneten Geburtstermin festgelegt, wenn nicht dringende Gründe für eine frühere Entbindung sprechen. Manchmal wird auch vermutet, dass ein Kind den Stress der natürlichen Geburt brauche für seine Psyche. „Babys haben seelisch keinen Vorteil von einer der Entbindungsformen“, sagt Dr. Albring. „Wichtig ist, dass das Baby und seine Mutter die Geburt so gesund wie irgend möglich überstehen.“ Es wird auch vermutet, dass Babys den Kontakt mit den Vaginalkeimen der Mutter brauchen, mit denen sie während der natürlichen Geburt in Berührung kommen. Deshalb gibt es heute Überlegungen, nach einem Kaiserschnitt die Haut des Babys mit speziellen Bakterienkulturen in Kontakt zu bringen. Ergebnisse zu diesen Untersuchungen stehen noch aus.

 

Kann ich trotz des Kaiserschnitts sofort stillen?

Wenn es dir und deinem Baby gut geht, spricht nichts dagegen. Es ist wichtig, dass du dein Baby innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt anlegst, denn sein erstes Saugen ist der Startschuss für deine Milchbildung. Falls es Komplikationen gibt und ihr nicht sofort zusammen sein könnt, wird dir von der Klinik deshalb eine Milchpumpe bereitgestellt, die das Saugen deines Babys imitiert um die Milchbildung in Gang zu bringen. In mehr als 86 % aller deutschen Geburtskliniken wird das die Symphony von Medela sein.*

 

Wie lange muss ich danach im Krankenhaus bleiben?

Nach dem Kaiserschnitt wirst du etwa eine Stunde im Kreißsaal überwacht. Dein Baby ist in dieser Phase die gesamte Zeit bei dir. Die meisten Frauen bleiben anschließend noch drei bis vier Tage in der Klinik.

 

Welche Risiken sind mit einem Kaiserschnitt verbunden?

„Ein Kaiserschnitt hat keine größeren Risiken als eine natürliche Geburt“, sagt Dr. Albring. Die Erholungszeit ist allerdings bedeutend länger. Die Narbe kann über Wochen wehtun, und sie sollte auf keinen Fall belastet werden, solange sie noch schmerzt. Das bedeutet, das Kind nicht zu heben, zu tragen, vorsichtig zu sein beim Aufstehen und beim Hinsetzen.

 

Kann ich nach einem Kaiserschnitt beim nächsten Kind trotzdem normal entbinden?

Viele Ärzte sind da vorsichtig. „Das kann versucht werden“, sagt Dr. Albring, „wobei in der überwiegenden Zahl der Schwangerschaften auch beim nächsten Mal ein Kaiserschnitt erfolgen wird.“ Am besten, du besprichst es in aller Ruhe mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

 

Du hast bereits einen Kaiserschnitt hinter dir? Wie ging es dir damit? Konntest du sofort stillen? Schreib uns unter kontakt@medela.de oder bei Facebook!

 

Experten:
Prof. Dr. med. Thomas Dimpfl Direktor der Frauenklinik am Klinikum Kassel, ehem. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover

 

*Stand Mai 2017