Hypnobirthing hilft vielen Frauen bei der Geburt entspannt zu bleiben.

Meine Geburt mit Hypnobirthing

Sabine T., 32, aus München hatte furchtbare Angst vor der Geburt – und machte deshalb einen Hypnobirthing-Kurs. Neben verschiedenen Entspannungstechniken ist ein wesentlicher Bestandteil die Angstauflösung in den Hypnosen. Dieser therapeutische Ansatz ist ganz anders als in einem normalen Geburtsvorbereitungskurs. Schwangere lernen, wie sie sich während der Geburt selbst Instruktionen geben können, um in Hypnose und somit in einen tranceähnlichen Zustand zu gleiten. Hier erzählt die junge Mutter von ihren Erfahrungen.

 

„Wie soll ich das nur schaffen?!“, schoss es mir durch den Kopf, als ich im Oktober letzten Jahres erfuhr, dass ich schwanger bin. Eigentlich hätten mich in diesem Moment Glücksgefühle überschwemmen müssen, denn unser Tobias war und ist ein absolutes Wunschkind. Nichts hatten mein Mann und ich uns sehnlicher gewünscht als ein gemeinsames Kind. Wäre nur nicht die Geburt! Ich kann es gar nicht in Worte fassen, ich hatte einfach solche Angst vor der Entbindung und fragte mich ständig, wie ich sie nur überstehen sollte. Sicherlich lag das daran, dass ich bis dahin nur Horrorgeschichten über Geburten gehört hatte – da ja die positiven Geburtserlebnisse meist nicht erzählt und vor allem weiter erzählt werden.

 

Ich hatte Angst vor der Geburt

Mit jeder dieser Erzählungen wuchs meine Angst ein bisschen mehr bis sie so groß war, dass sie mich zu erdrücken drohte. So konnte und wollte ich nicht weitermachen. Ich wollte mich diesem furchtbaren Angstgefühl nicht hilflos ausliefern, sondern aktiv etwas dagegen unternehmen. Auf der Suche nach einer Lösung für mein Problem stieß ich bei der Recherche im Internet auf Hypnobirthing. Den Begriff hatte ich zwar vorher schon mal gehört, mich aber nicht weiter damit befasst. Als ich mir jetzt das Konzept durchlas, war mir sofort klar: Das ist genau das, was ich brauche!

 

Ich fand die Idee toll, dass man auch während der Entbindung aktiv sein kann und durch einfache Übungen in einen Zustand vollkommener Entspannung gelangt und vor allem auch angstfrei ist. Als ich meinem Mann davon berichtete und ihm sagte, dass ich gerne mit ihm gemeinsam einen Hypnobirthing-Kurs machen würde, willigte er sofort ein. Im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Entscheidung genau richtig war. Im Kurs lernten wir zunächst verschiedene Entspannungstechniken. Besonders gut gefielen mir die unterschiedlichen Fantasiereisen: Ich sollte mir zum Beispiel vorstellen, dass ich einen mit wunderschönen Blumen gesäumten Weg entlanglaufe.

 

Auf diese Weise sollten wir üben, uns bestimmte angenehme Gefühle im Geist zu vergegenwärtigen, um sie bei Bedarf jederzeit abrufen zu können. Sehr hilfreich fand ich auch die „Tempel des Friedens“-Übung: Wir sollten uns alle ein Zimmer vorstellen, in dem wir uns sehr sicher fühlten. In meinem Fall ist das ein heller Raum mit großen Fenstern mitten im Meer, der über eine lange Brücke mit dem Festland verbunden ist. Hier befindet sich unter anderem eine Schaltzentrale mit einer Menge verschiedener Hebel. Jeder Hebel hat eine eigene Funktion. Einen davon habe ich in Gedanken langsam heruntergezogen – und bin so in Situationen, in denen ich gestresst, sehr angespannt oder verkrampft war, wieder zur Ruhe gekommen. Falls die Entbindung zu stocken drohte, schlug die Kursleiterin vor, mir ein Kästchen vorzustellen, in das ich all die Gedanken packen sollte, die momentan nichts mit der Geburt zu tun haben. Anschließend wird das Kästchen an einem Ballon befestigt und von diesem weit übers Meer hinausgetragen – mitsamt all den mich belastenden Dingen.

 

Das mag sich alles simpel, vielleicht sogar etwas banal anhören. Trotzdem hat es mir wahnsinnig geholfen. Jeden Tag habe ich zu Hause mit Hilfe einer CD etwa eine halbe Stunde die Übungen gemacht – vor allem die „Tempel des Friedens“-Übung.

 

Je öfter ich trainierte, desto sicherer fühlte ich mich.

Und irgendwann war es dann soweit: Ich habe mich richtig auf die Geburt gefreut und hatte keine Angst mehr vor den Schmerzen. Als es dann losging und die Wehen kamen, war es so, wie ich es gehofft hatte: Ich war ganz entspannt und ruhig. Natürlich war die Geburt trotzdem schmerzhaft. Daran hat auch das Hypnobirthing nichts geändert.  Aber die Erfahrungen aus dem Kurs gaben mir das Gefühl, gut für jede Situation während der Entbindung gerüstet zu sein. Als die Hebamme nach nur vier Stunden schließlich meinte, das sei die letzte Wehe, konnte ich gar nicht glauben, dass alles so schnell und reibungslos abgelaufen war. Um mich noch mal zu fokussieren, habe ich mich in meinen Schutzraum zurückgezogen, meinen Entspannungshebel gezogen, anschließend all meine Kraft zusammen genommen und noch mal so stark gepresst wie ich nur konnte. Dann war es soweit: Unser Tobias war geboren. Seitdem bin ich die glücklichste Mama der Welt.