Welche Schmerzmittel helfen bei der Geburt?

Welche Schmerzmittel helfen bei der Geburt?

Die Geburt rückt näher, die Vorfreude ist groß – aber womöglich auch die Angst vor den Wehenschmerzen. Entspannungsstrategien helfen, aber zum Glück gibt es auch eine ganze Reihe von Schmerzmitteln, die bei der Geburt erlaubt sind. Wir haben die gängigsten Methoden für euch zusammengefasst.

Langsam rückt der Entbindungstermin immer näher und mit ihm wächst bei vielen Frauen auch die Angst vor der Geburt. „Leider können sich durch Stress und Angst die Muskeln anspannen und verkrampfen“, sagt Andrea Hagen-Herpay, beratende Hebamme beim Deutschen Hebammenverband. „Das erschwert eine natürliche Geburt.“

 

Natürliche Entspannungsstrategien

„Gut sind Entspannungs- und Atemübungen“, sagt die Hebamme. Einfach ruhig und bewusst atmen. Am besten gelingt das, wenn du deine Augen einen Moment schließt und dich ganz auf deine Atmung konzentrierst. Schmerzlindernd kann es auch sein, die Körperposition zu wechseln. Viele Frauen empfinden es zum Beispiel äußerst unangenehm, sich hinzulegen und wollen sich lieber bewegen. Wenn es dir auch so geht, dann geh ein paar Schritte und probiere aus, welche Position für dich am besten ist. Oder vielleicht tut dir auch ein Entsapnnungsbad gut? Im warmen Wasser fühlen wir uns schwerelos und zugleich entspannen sich unsere Muskeln.

 

Entkrampfende Mittel

Vor allem zu Beginn der Eröffnungsphase werden häufig entkrampfende Mittel, sogenannte Spasmolytika, wie etwa Buscopan als Zäpfchen verabreicht. „Sie entspannen den Muttermund und wirken entkrampfend“, sagt die Hebamme. Bewährt in der Geburtshilfe hat sich etwa der Einsatz von Dolantin. „Die Frauen werden danach häufig müde, erleben die Geburt etwas gedämpft“, sagt die Hebamme. „Da Dolantin auf das Kind übergeht, wird diese Form der Schmerzlinderung aber nur angewandt, wenn es bis zur Austreibungsphase voraussichtlich noch einige Zeit dauern wird. Bis dahin ist das Medikament dann weitgehend abgebaut.“

 

Alternative Schmerzlinderungsmethoden

Eine Alternative ist die Einnahme von homöopathischen Mitteln in Form von Kügelchen. Diese werden bei den unterschiedlichsten Beschwerden eingesetzt, z.B. bei Wehenschmerzen, Unruhe, Angst oder Niedergeschlagenheit. So wird etwa Atropa Belladonna, auch die schwarze Tollkirsche genannt, bei starken Wehenschmerzen und übermäßigem Schwitzen empfohlen. Arnica wird bei Wehenschmerzen und gleichzeitigem Unwohlsein eingesetzt. Aconitum hilft hingegen bei panischer Angst, großer körperlicher und geistiger Ruhelosigkeit. Egal, für welches homöopathische Mittel du dich entscheidest, folgendes solltest du bedenken: Es ist nicht möglich, mit homöopathischen Arzneien Wehenschmerzen wegzuzaubern. Hebamme Andrea Hagen-Herpay empfiehlt auch gerne Akupunktur. Die gezielt gesetzten Nadeln können während der Geburt zur Schmerzlinderung beitragen.

 

Lokale Betäubung mit Periduralanästhesie

Sollte das alles nichts helfen, gibt es zum Glück noch eine weitere Möglichkeit. Mittlerweile ein Standardeingriff ist die sogenannte Periduralanästhesie, kurz PDA genannt. Dr. Peter Lemberger, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin an der Kreisklinik Ebersberg, erklärt: „Die Schmerzen, die bei der Geburt entstehen, werden durch Nerven in das Rückenmark geleitet. Von hier erfolgt die bewusste Wahrnehmung der Schmerzen im Gehirn. Durch die PDA wird die Schmerzleitung der Nerven in das Rückenmark hinein mit Hilfe lokaler Betäubungsmittel blockiert.“ Die Folge: Du spürst die wellenförmigen Bewegungen der Wehen zwar weiterhin, kannst dich auch bewegen und ganz normal pressen, empfindest dabei aber keine Schmerzen. „Eingesetzt wird die PDA nur bei einem langwierigen Geburtsverlauf und typischerweise auch nur in der Eröffnungsphase“, sagt Dr. Lemberger. „Eine Voraussetzung für eine PDA ist eine intakte Blutgerinnung.“ Grundsätzlich gilt aber: Wünscht sich eine Frau während der Entbindung eine PDA, wird diese in der Regel auch gemacht.

 

So funktioniert die PDA

Dazu musst du nach vorne gebeugt sitzen und für einen Moment ganz still halten. Der Anästhesist schiebt nun mit Hilfe einer Hohlnadel einen weichen Katheter in den sogenannten Periduralraum vor. Dieser liegt im Rückenmarkskanal und enthält die Wurzeln der schmerzleitenden Nervenfasern. Hier wirkt das Betäubungsmittel. Es heftet sich an die schmerzleitenden Nerven­fasern und verhindert, dass der Schmerz weiter­­ transportiert wird. Die Punktionsstelle liegt unterhalb des Rückenmarks, so dass eine direkte Verletzung des Rückenmarks ausgeschlossen ist. Das mag sich jetzt unangenehm anhören. Tatsächlich spürst du von dem Eingriff aber nichts, denn die Einstichstelle wurde zuvor betäubt. Nach etwa 15 Minuten entfaltet das Betäubungsmittel seine volle Wirkung. Diese hält maximal eineinhalb bis zwei Stunden an. Über eine Pumpe kannst du quasi via Knopfdruck später selbst bestimmen, wie viel an Schmerzmittel du brauchst. Spezielle Sicherungen verhindern eine Überdosierung.  Nach der Geburt wird der Katheter vorsichtig wieder herausgezogen.Natürlich birgt eine PDA auch Risiken und Nebenwirkungen. Allerdings treten diese äußerst selten auf. „Rein theoretisch besteht das Restrisiko eines Blutergusses im Periduralraum“, sagt Dr. Lemberger. „Allerdings ist das sehr unwahrscheinlich. Auch schwerwiegende Zwischenfälle wie Nervenschäden sind extrem selten.“

 

Wie bereitest du dich auf die Wehen vor? Was hat dir vielleicht bei einer vorherigen Geburt gut geholfen? Schreib uns deine Erfahrungen unter mailto:kontakt@medela.de oder auf Facebook.

 

Experten:

Andrea Hagen-Herpay, beratende Hebamme beim Deutschen Hebammenverband.

Dr. Peter Lemberger, Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin an der Kreisklinik Ebersberg