Muttermilchschmuck

Muttermilchschmuck: Tropfen, die bleiben

Muttermilch ist ein kostbarer Schatz. In Désirée Hilles Manufaktur wird sie zum Schmuckstück. Doch wie wird aus dem flüssigen Gold eine bleibende Erinnerung?

Muttermilch ist ein Geschenk fürs Leben – und die Stillzeit eine kostbare Erinnerung, die Mamas hüten, wie einen Schatz. Kein Wunder, dass Muttermilchschmuck das neue It-Piece glücklicher Mamas werden könnte! Perlenohrringe, Schmetterlingsanhänger oder Ringe, die ihre Trägerin jeden Tag an das Wunder der Natur erinnern, dass sie für immer mit ihrem Kind verbindet wird. Doch wie wird aus dem individuellen flüssigen Gold eine glänzende Perle? Désirée Hille, selbst Mutter eines kleinen Sohnes, hat lange experimentiert und fertigt in ihrer Miluh Manufaktur heute Schmuckstücke aus Muttermilch, die tatsächlich jedes Mal einmalig sind. Wie das geht, verrät sie im Interview.

 

Frau Hille, wie kommt man als Mutter auf die Idee, die eigene Muttermilch in Schmuck umzuwandeln?

 Über Umwege! Ich hatte während meiner Schwangerschaft viel über die Hautpflege von Babys gelesen und wollte unbedingt unseren Sohn so lange wie möglich in Muttermilch baden. Ich wollte dazu allerdings nicht unsere komplette Gefriertruhe füllen und suchte deshalb im Internet nach Rezepten für Muttermilchseife. Dabei stieß ich auch auf andere Angebote – wussten Sie, dass es sogar Käse aus Muttermilch gibt?! Auf einer US-Website stieß ich dabei auf Schmuck aus Muttermilch und war begeistert von der Idee. Ich habe schon immer gern künstlerisch und handwerklich gearbeitet und konnte gar nicht anders: Das musste ich ausprobieren!

 

Muttermilch ist ein flüssiges, leicht verderbliches Gut – wie kann man das überhaupt haltbar und formbar machen?

Ich habe mich dazu tatsächlich erstmal gründlich belesen müssen. Der Schlüssel ist das Kasein, der Proteinanteil der Milch, aus dem z.B. bei Kuhmilch auch Käse gefertigt wird. Schon in der Vorkriegszeit wurde Kasein aus tierischer Milch verwendet um den Kunststoff Galalith herzustellen, der dann wiederum zur Herstellung von Knöpfen und ähnlichem verwendet wurde. Das war mein Ausgangspunkt. Ich habe mich dann mit einem befreundeten Chemiker beraten und viel, viel experimentiert.

 

Muttermilch ist ja ein sehr persönliches Rohmaterial – und auch hygienisch sensibel. Wie muss ich mir das vom Ablauf her vorstellen? Ihre Kundinnen senden Ihnen Muttermilch zu – wie stellen Sie sicher, dass die Milch nicht schlecht wird?

Unsere Kundinnen sollten ihre Muttermilch in einen Muttermilchbeutel füllen und den dann am besten auch noch in einen Zweiten legen. So wird die Milch aufgefangen, wenn doch mal etwas ausläuft. In den Sommermonaten empfehle ich immer, die Muttermilch in gefrorenem Zustand zu versenden, so dass sie während des Transports erst langsam auftaut. Für unsere Herstellung ist es aber nicht wichtig, dass die Muttermilch noch genießbar ist, sondern nur, dass sie nicht bereits Schimmel angesetzt hat oder das Kasein schon komplett ausgefällt ist – Kasein kann sich auch durch Eigendehydrierung ausfällen. Wir legen auch großen Wert darauf, jede Muttermilch einzeln zu verarbeiten, damit sie nicht mit anderer Muttermilch, Nabelschnur, Placenta oder Haaren in Berührung kommt. Deshalb arbeiten wir im Herstellungsprozess immer nur an einem Auftrag und nicht an mehreren Aufträgen gleichzeitig. Auch das Material wie z.B. Pipetten, Reagenzgläser usw. sind entweder für den einmaligen Gebrauch oder aus Glas und werden gereinigt und sterilisiert.

 

Wie wird aus einem Beutel Muttermilch denn eine Perle oder ein Anhänger?

Die Muttermilch wird nach Ankunft abgefüllt und beschriftet, dann sterilisiert, denaturiert und dehydriert. Aus den gewonnen Bestandteilen wird eine Masse, ähnlich wie Knete. Die wird in die gewünschte Form gepresst und in der Trockenkammer langsam bei niedriger Temperatur getrocknet. Die fertige Form ummanteln wir anschließend dreifach mit einer speziellen Kunststoffschicht. Als letzten Schritt bringen wir das gewünschte Schmuckteil an. Der gesamte Prozess dauert mindestens 10 Wochen – je nachdem wie schnell die Muttermilchmasse trocknet.

 

Wie tragen Frauen den Schmuck denn am liebsten?

Das beliebteste Schmuckstück ist eine klassische Muttermilchperle in Kombination mit Silber oder Gelbgold. Sehr klassisch und zeitlos.

 

Sie bieten auch Schmuckstücke aus getrockneter Nabelschnur an oder aus Teilen der Plazenta. Das klingt erstmal weniger klassisch und für manche sicher auch eher unappetitlich. Berührungsängste dürfen Sie nicht haben, oder?

Berührungsängste sind in dieser Branche gänzlich fehl am Platz. Ich hatte jetzt schon wirklich viel auf meinem Werktisch liegen, von extrem verdorbener Muttermilch, über noch nicht getrocknete Nabelschnur bis zu einem großem Stück Plazenta. All diese Dinge wurden aber von einem menschlichen Körper geschaffen, um einem anderen menschlichen Wesen das Leben zu ermöglichen. Daran finde ich nichts unappetitlich, es fasziniert mich eher und lässt mich oft sehr ehrfürchtig vor dem fertigen Schmuckstück stehen. Zudem muss man bedenken, dass nicht jede Mutter Stillen konnte, sei es wegen Stillproblemen oder weil sie ein Sternenkind hat. Manchmal ist die Nabelschnur oder die Plazenta das einzige, was bleibt. Daraus eine wertvolle Erinnerung zu machen, ist auch für mich etwas ganz besonders.

 

Nun ist Muttermilchschmuck vermutlich ein Trend, über den unsere Mütter und Großmütter vermutlich nur den Kopf schütteln. Woran machen Sie den Erfolg Ihrer Schmuckstücke fest?

Also bis jetzt habe ich von keiner Mutter oder Großmutter gehört, die solchen Schmuck abwegig finden – ganz im Gegenteil! Aber, ganz klar, das Verständnis von Muttermilch und Stillen war früher ein anderes. Wir haben in den letzten Jahren eine regelrechte Revolution des Stillens erlebt und die Angebote für die Erlebnisreise rund um Schwangerschaft, Geburt und Stillen sind deutlich vielfältiger und selbstverständlicher geworden. Klar wurden auch früher z.B. die ersten Momente nach der Geburt fotografisch festgehalten. Heutzutage aber kann man die Geburt von professionellen Foto- oder Videografen begleiten lassen, in der Natur unter Anleitung einer Hebamme gebären oder zu Hause in einem aufgestellten Pool. Es gibt ausgebildete Stillberaterinnen, Stillgruppen, Stillcafés, Stillkleidung, Stilltücher … ich könnte unendlich weiter aufzählen. Der Erfolg von Schmuckstücken aus Muttermilch oder Nabelschnur geht mit dem einher und spiegelt die Einstellung gegenüber diesem Wunder, das wir Frauen vollbringen. Frauen tragen den Schmuck aus Liebe zum Kind und haben so das Gefühl, immer ein Stück dieser einmaligen Erlebnisreise bei sich tragen zu können.

 

Muttermilchschmuck Désirée HilleDésirée Hille lebt mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in der Nähe von Karlsruhe. Während ihrer Schwangerschaft 2014/2015 begann sie sich mit der Herstellung von Muttermilchschmuck zu beschäftigen und wagte dann mit ihrer Manufaktur den Sprung in die Selbstständigkeit. www.miluh.de

 

 

 

Wie erhältst du dir die Erinnerung an die Stillzeit? Käme für dich Muttermilchschmuck in Frage? Schreib uns unter kontakt@medela.de oder auf Facebook.