Experten empfehlen eine Kampagne zum "Stillen in der Öffentlichkeit"

„Stillen kann nicht warten“: Experten empfehlen Kampagne für Stillen in der Öffentlichkeit

Dein Baby hat Hunger, also stillst du es. Egal wann und egal wo. Stillen ist schließlich ganz natürlich, wer sollte sich daran stören? Immer noch zu viele, fand jetzt eine neue Studie der Nationalen Stillkommission heraus – und will Abhilfe schaffen.

Stillen in der Öffentlichkeit sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Eigentlich. Dass dies leider immer noch nicht der Fall ist, zeigt eine aktuelle Studie der Nationalen Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Darin gaben in einer Umfrage zwei Drittel der befragten Mütter an, dass sie zumindest gelegentlich in der Öffentlichkeit stillen – sechs Prozent berichteten dabei aber von negativen Erfahrungen. Das mag zunächst nicht nach so viel klingen, aber ein genauerer Blick auf die Ergebnisse der Studienumfragen allgemein zeigt, dass die Haltung in der Bevölkerung zu Stillen in der Öffentlichkeit zumindest sehr ambivalent ist.

Sechs Prozent der Befragten fühlen sich durch öffentliches Stillen gestört

Auch wenn nahezu die Hälfte der Bevölkerung laut Studie stillende Mütter überhaupt nicht wahrnimmt, gaben nur rund ein Viertel der Befragten an, dass ihnen öffentliches Stillen egal sei. Immerhin sechs Prozent fühlten sich von dem Anblick der stillenden Mütter gestört. Und womöglich könnte diese Ablehnung sogar noch weiter verbreitet sein: Als Beispiel nennen die Experten in ihrer Stellungnahme frühere Umfragen anderer Stellen, bei denen 14 bis 15 % der Befragten das Stillen in der Öffentlichkeit ablehnten. Ihr Fazit: Im Vergleich zu diesen älteren Ergebnissen und aufgrund der fehlenden Repräsentativität der aktuellen Studie insgesamt, „erscheint die Einstellung zum Stillen in der Studie des BfR eher etwas zu positiv“.

Gerade Stillen in Restaurants und Cafés wird kritisch gesehen

Mehr als ein Viertel der Befragten stehen laut Studie öffentlichem Stillen ambivalent bis ablehnend gegenüber. Besonders wenn es um Stillen in Restaurants und Cafés geht, war die Zustimmung zögerlich: Immerhin 52 % der Befragten stimmten der Aussage „Stillen im Restaurant gehört sich nicht, denn dort wird gegessen“ voll bis zumindest teilweise zu. Das ist vor allem deshalb interessant, weil Cafés vielen Müttern als natürlicher Rückzugsort zum Stillen gelten, wenn sie unterwegs sind. 48 % aller Befragten stimmten der Aussage, dass Frauen beim Stillen in der Öffentlichkeit ein Stilltuch oder Ähnliches benutzen sollten, ganz oder zumindest eher zu, weitere 31 % teilten diese Ansicht teilweise.

Ablehnung in der Bevölkerung beeinflusst die Stillentscheidung der Mutter

Dass Mütter sich in dieser Situation beim Stillen in der Öffentlichkeit oft nicht wohlfühlen, verwundert nicht. Mehr noch, die ambivalente Haltung der anderen hat auch Auswirkungen auf die Stillentscheidung der Mütter: Zehn Prozent der 174 an der Onlinebefragung der BfR-Studie teilnehmenden Mütter, die abgestillt hatten, gaben an, dass die Problematik des Stillens in der Öffentlichkeit für sie ein Grund für das Abstillen war (neben anderen Gründen, Mehrfachantworten waren möglich). 14 Prozent der Mütter, die nie gestillt hatten, gaben an, dass es ihnen unangenehm wäre, vor Fremden zu stillen. Das Fazit der Stillkommission: „Es wäre wichtig, zukünftige Mütter frühzeitig – bereits in der Schwangerschaft – mit den vielseitigen positiven Aspekten und der Normalität des Stillens einschließlich des Stillens in der Öffentlichkeit vertraut zu machen“. Frauen sollten demnach dazu ermutigt werden, uneingeschränkt in der Öffentlichkeit zu stillen. Eine Erkenntnis der Studie macht allerdings Hoffnung: „Insgesamt geht Wissen über die Vorteile des Stillens mit größerer Akzeptanz einher“, stellten die Experten fest.

Experten plädieren für breit angelegte Informationskampagne

Im Auftrag des Bundesernährungsministeriums hat die Nationale Stillkommission nun gemeinsam mit Fachleuten drei Kernbotschaften ausgearbeitet, die in einer möglichst breit angelegten Kampagne in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden sollen. Neben Anzeigen, Plakataktionen und Kinospots schlagen die Experten u.a. vor, „stillfreundliche Kommunen“ als Vorbilder zu etablieren oder eine eigene Briefmarke zum Thema aufzulegen. Damit Mütter stillfreundliche Orte leichter finden können, wäre eine nationale Still-App nach Schweizer Vorbild denkbar, auch eine lokale Kennzeichnung mit Aufklebern, die z.B. an Café-Türen stillfreundliche Orte ausweisen, wie dies in den Niederlanden der Fall ist, wäre vorstellbar. Immer mit dem Ziel, diese drei positiven Kernbotschaften sowohl bei Müttern, als auch in der Bevölkerung allgemein bekannt zu machen: „Stillen ist gesund.“ „Stillen wird überall akzeptiert.“ „Stillen kann nicht warten“.  Botschaften, die wir bei Medela aus vollem Herzen unterstützen! Denn Muttermilch ist das Beste für jedes Baby und Stillen ein ganz natürlicher Teil des Lebens.

Was sind deine Erfahrungen mit Stillen in der Öffentlichkeit? Was würdest du dir wünschen, um unterwegs leichter stillen zu können? Schreib uns unter kontakt@medela.de oder auf Facebook.

 

Quelle: http://www.bfr.bund.de/cm/343/positive-botschaften-fuer-ein-ungestoertes-stillen-in-der-oeffentlichkeit.pdf