Tandemstillen: So gelingt es

Doppelt innig: So gelingt Tandemstillen

Zwei unterschiedlich alte Kinder gleichzeitig zu stillen, kann anstrengend sein, ist aber einfacher, als es klingt. Fünf Hebammentipps fürs Tandemstillen

 

Du hast während der Schwangerschaft dein älteres Kind weitergestillt und möchtest nach der Geburt des Babys beide Kinder stillen? Dann heißt es jetzt: Tandemstillen! Keine Sorge, das ist unkomplizierter als es klingt – und hat auch keine Nachteile für dein Neugeborenes. Im Gegenteil, ihr alle drei könnt von dieser einzigartigen Beziehung profitieren. Der Alltag mit zwei Kindern kann hektisch und anstrengend sein, sodass die Stillzeit im wahrsten Sinne des Wortes eine „stille Zeit“ sein kann, in der sowohl du als auch deine Kinder neue Energie tanken. Zudem profitiert so auch dein älteres Kind weiterhin von den zahlreichen Vorteilen der wertvollen Muttermilch. Umgekehrt trägt dein „Großes“ auch zu einer ausreichenden Milchbildung bei, da sich das Muttermilchangebot immer nach der Nachfrage richtet. Auch die für dich etwas unangenehme Phase des Milcheinschusses  wird durch das viele Stillen abgeschwächt. Nichtsdestotrotz kann die doppelte Stillbeziehung für dich als Mama ganz schön anstrengend werden. Damit du entspannt in eure Stillzeit zu dritt starten kannst, haben wir dir hier deshalb die wichtigsten Überlegungen und Hebammentipps zusammengestellt:

 

1) Stille dein Neugeborenes immer zuerst 

Die erste Milch nach der Geburt, das Kolostrum, ist speziell für Neugeborene gemacht. Sie enthält besonders viele Immunstoffe und die Vitamine A und E sowie Mineralstoffe besonders hoch konzentriert –eine echte Spezialnahrung für dein Jüngstes. Lege dein Neugeborenes daher immer zuerst an der Brust an, damit es von den vielen Vorteilen des Kolostrums profitieren kann.

 

2) Erkenne die Bedürfnisse deines älteren Kindes

Mit der Geburt des Babys ändert sich eure Familiensituation grundlegend. Daran müssen sich alle Beteiligten erst einmal gewöhnen und es ist völlig normal, wenn dein älteres Kind in den ersten Wochen ein stärkeres Bedürfnis nach Nähe hat. Das kann bedeuten, dass es nun auch öfter gestillt werden möchte. Dabei ist Stillen für dein „Großes“ natürlich nicht primär Nahrungsaufnahme, sondern eine Quelle von Trost und ein Zeichen dafür, dass es geliebt wird. Schenke ihm diese Zeit und Aufmerksamkeit, das tut euch beiden gut! Übrigens: Kolostrum hat eine abführende Wirkung. Es kann daher passieren, dass dein älteres Kind plötzlich sehr weichen Stuhlgang hat. Das sollte sich ein bis zwei Wochen nach der Geburt des Babys aber normalisieren.

 

3) Hol’ dir Unterstützung 

Du hast gerade neun Monate ein Baby ausgetragen, hast den „Geburtsmarathon“ hinter dir und stillst nun gleich zwei Kinder. Das ist eine Höchstleistung, die diesem Körper einiges abverlangt! Scheu dich daher nicht, Hilfe für den Haushalt, Einkaufen, Kochen oder die Betreuung des älteren Kindes in Anspruch zu nehmen und nutze jede Gelegenheit dich auszuruhen. Denk daran: Das Wochenbett dient deiner Erholung! Gönn sie dir und sprich dich auch mit deinem Partner ab, damit die Besucherzahl nicht überhandnimmt.

 

4) Achte auf deine Ernährung 

Wichtig ist, dass du dich ausgewogen und ausreichend ernährst, damit dein Körper genug Energie für den (Still-)Alltag mit gleich zwei Kindern bekommt.  Durch das Stillen verbrennt dein Körper, abhängig vom Muttermilchangebot, einige hundert Kalorien am Tag. Du wirst durstiger und hungriger sein, als in der Stillzeit mit nur einem Kind. Eine angemessene Kalorienzufuhr und genügend Ruhephasen im Alltag sind daher absolut notwendig. Dein Frauenarzt, die Hebamme oder eventuell auch ein/e Ernährungsberater/in können dich dabei mit Ratschlägen unterstützen.

 

5) Lass dich nicht von deinem Umfeld beirren 

Tandemstillen ist nicht jedermanns Sache. Es kann durchaus vorkommen, dass manche Freunde oder Bekannte wenig Verständnis für deine Entscheidung haben. Womöglich können sie die Vorteile, die sich dadurch für dich und deine Kinder ergeben, nicht erkennen oder sind der Meinung, dass dein älteres Kind bereits abgestillt sein sollte. Aber jede Stillbeziehung ist individuell. Deshalb verlasse dich bei dieser Entscheidung auf dein Bauchgefühl und darauf, was dir und deinen Kindern gut tut!

 

Hast du vor, dein älteres Kind auch nach der Geburt seines Geschwisterchens weiter zu stillen? Oder tust du es vielleicht bereits? Teile deine Erfahrungen und schreib uns unter kundenservice@medela.de oder auf Facebook.