Babyzeichensprache

Was will mein Baby mir sagen? Babyzeichensprache im Alltag

Babyzeichensprache liegt im Trend. Viele Eltern finden den Gedanken spannend, mit ihrem Baby kommunizieren zu können, auch wenn es noch nicht sprechen kann. Doch funktioniert das wirklich? Wir haben Vivian König, Gründerin der Zwergensprache-Kurse, auf den Zahn gefühlt.

 

 

 

Frau König, mit Babys reden wir ohnehin oft schon mit Händen und Füßen, zeigen auf den Ball oder Winken zum Abschied. Warum sollen Eltern da überhaupt eine spezielle Babyzeichensprache lernen?

Stimmt, der Beginn der Kommunikation zwischen Babys und Eltern läuft ganz automatisch über Gesten. Das funktioniert auch eine Weile gut. Wenn sich die Kinder weiterentwickeln, wachsen sie aber rasch über die Grundbedürfnisse hinaus. Dann ist es sehr angenehm, wenn man nicht Rätsel raten muss, warum das Baby weint, sondern man sich mit ihm durch einfache Handzeichen verständigen kann. Für das Baby sind das tolle, frühe Erfolge, wenn es begreift, dass es sich verständlich machen kann – und verstanden wird. Das Frustpotential auf beiden Seiten ist gleich viel geringer.

 

Das klingt, als sprächen Sie aus Erfahrung …

Ja, meine beiden Kinder sind mit Babyzeichen aufgewachsen. Mit meinem Sohn habe ich die Babyzeichensprache kennengelernt, als wir in England lebten. Als dann meine Tochter zur Welt kam, waren die Zeichen schon so normal in unserem Familienleben, dass sie ganz automatisch von Anfang an dabei war. Mit vier Monaten verstand sie das Zeichen für „Milch“ und mit 5 Monaten konnte sie es dann selbst gebärden, wenn sie gestillt werden wollte. Da konnte sie ganz schön hartnäckig sein, auch wenn es erst eine halbe Stunde her war seit der letzten Mahlzeit! Ich wusste so gleich, was sie wollte und musste nicht erst die anderen üblichen Verdächtigen wie volle Windel, müde usw. durchprobieren.

 

Kaum vorstellbar, dass ein so kleines Baby seine Bedürfnisse schon so genau kennt und kommuniziert.

Wenn ich als Mutter das gleiche Zeichen zu meinen Worten in der gleichen Situation immer wieder einbringe, können Kinder meiner Erfahrung nach ab einem Alter von etwa 6 Monaten häufig benutzte Zeichen verstehen. Es gibt Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass Babys auch mit vier Monaten schon kognitiv entsprechend weit sind. Wir nehmen das nur oft nicht so wahr, weil sich die Kleinen eben sprachlich noch nicht äußern können.

 

Wie entstand überhaupt die Idee, Babys Zeichen an die Hand zu geben?

Die Idee kommt aus den USA. Als Wissenschaftler dort Kinder beobachteten, die ein gehörloses Elternteil haben, erkannten sie, dass diese Babys die Gehörlosensprache erstaunlich schnell verstanden und sich so mitteilen konnten. Deshalb besteht auch unsere Babyzeichensprache aus Elementen der deutschen Gebärdensprache. Rein entwicklungstechnisch ist die Handmotorik einfach schneller als die Mundmotorik. Und sobald Hände und Bewegungen im Spiel sind, ist die Aufmerksamkeit der Babys auch viel höher.

 

Kritiker wenden ein, dass Babys heutzutage oft mit Förderung überladen werden. Nun soll es also auch noch eine neue Sprache sein?

Keine neue Sprache, sondern eine Begleitung von dem, was ich ohnehin schon mache! Alle Eltern kommunizieren vom Moment der Geburt an mit ihrem Baby, reden mit ihm und kommentieren die Dinge, die sie tun. Die Babyzeichen unterstützen das gesprochene Wort und machen es verständlicher und anschaulicher. Ich gebe dem Baby sozusagen eine visuelle Eselsbrücke mit. Das alles passiert ja ganz spielerisch. Und ich vertraue auch auf die Eltern, die wissen, was ihrem Baby und ihnen gut tut. Manche gehen vielleicht gern zum Babyschwimmen, andere möchten sich eben mit ihrem Baby besser verständigen können.

 

Wie viele Zeichen kann ein Baby überhaupt aktiv aufnehmen und anwenden? Wie viele Zeichen sollten Eltern nutzen?

Am Anfang ist eine Handvoll Zeichen mehr als genug. Am besten greifen sich Eltern die fünf bis zehn Zeichen heraus, die am besten zu ihrem Alltag passen. Zeichen, die Interessen des Kindes aufgreifen, wie vielleicht „Musik“ oder „Baden“, aber auch Zeichen, die den Eltern wichtig sind. Die Kinder lieben zum Beispiel das Zeichen für „mehr“. Mehr Musik, mehr essen, mehr schaukeln – das geht immer! Es sollten vor allem Zeichen für Grundbedürfnisse sein, denn dann tauchen sie auch regelmäßig im Alltag auf und werden wiederholt.

 

Und mit der Zeit werden es dann immer mehr Zeichen?

Das bleibt jeder Familie selbst überlassen. Manche sind mit fünf Zeichen völlig zufrieden. In anderen Familien fordern die Kinder sogar selbst mehr ein. Ich kenne ein Mädchen, das, als es mit 13 Monaten in einem Bilderbuch eine gezackte grüne Palme sah, etwas perplex das Zeichen für Krokodil machte. Die Mutter erklärte ihr dann, dass es kein Krokodil, sondern eine Palme, also ein Baum sei. Die Kleine gebärdete daraufhin immer wieder das Zeichen für Krokodil, schüttelte den Kopf und zeigte danach Baum. Sie war unglaublich stolz, weil sie den Zusammenhang verstanden hatte. Als Eltern ist das wahnsinnig schön zu sehen. Man selbst nimmt die Welt auch ganz anders wahr, weil die Kinder die Aufmerksamkeit auf Kleinigkeiten lenken, die man selbst vielleicht nicht sieht. Für meine Kinder war der Begriff „Blume“ zum Beispiel immer sehr wichtig, überall hielten sie danach Ausschau. Und sie freuten sich immer unbändig, wenn sie eine gefunden hatten und mir das mitteilen konnten!

 

Werden denn die Babys nicht sprechfaul, wenn sie merken, dass sie mit Zeichen so gut verstanden werden?

Die Befürchtung höre ich tatsächlich häufig. Aber, nein. Die Zeichensprache holt Babys da ab, wo sie stehen. Sie ist nur eine Zwischenstufe. Zeichen und Wort gehören immer zusammen und sobald die Kinder die Worte beherrschen, lassen sie die Gesten automatisch weg. Mein Sohn zum Beispiel hat mir immer mit dem Babyzeichen „Ente“ signalisiert, dass er beim Einkaufen unbedingt auch die Enten auf dem Teich neben dem Supermarkt besuchen wollte. Als er dann das Schnattern imitieren konnte, hat er das Zeichen eine kurze Zeit lang parallel zum Wort gemacht, aber sobald ihm klar war, dass ich ihn auch ohne Geste verstehe, war das Zeichen weg.

 

 

 

Vivian König ist Mutter von zwei Kinder und Gründerin der Zwergensprache Kurse in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Rund 70 Babyzeichen können Eltern in zehn Kurswochen mit ihren Babys kennenlernen, das zugehörige Wörterbuch und die App umfassen sogar 300 Zeichen. http://zwergensprache.com/

 

 

 

So sehen Babyzeichen in der Praxis aus:

 

 

Babyzeichensprache Milch

 

„Milch“/ „Stillen“:

Rechte Hand auf Brusthöhe zur Faust ballen und den Daumen nach oben ausstrecken. Die Faust 3x öffnen und schließen.

 

 

 

Babyzeichensprache Schlafen

 

„Schlafen“:

Beide Handflächen zusammen halten und ans Ohr oder an die Wange legen. Den Kopf dabei leicht zur Seite neigen.

 

 

 

Babyzeichensprache mehr

 

„mehr“:

Die Finger der linken Hand sind vor dem Körper gestreckt mit der Handfläche nach innen, Daumen angelegt. (wie bei Händeschütteln). Alle Finger der rechten Hand zusammenhalten und damit 2x in die Handfläche der linken Hand tippen.

 

 

 

 

 

Hast du vor, mit deinem Baby Zeichen zu verwenden oder es vielleicht bereits versucht? Erzähle uns und anderen Müttern davon unter kontakt@medela.de oder in unserer Medela Deutschland Facebook-Community.