Ist eine Zwillingsschwangerschaft eine Risikoschwangerschaft? Dr. Catherina Lomann gibt Antworten.

Wie riskant sind Zwillingsschwangerschaften?

Zwillingsschwangerschaften sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Was sind die am weitesten verbreiteten Komplikationen?

Es kommt deutlich häufiger zu Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes. Weitere Risiken der Zwillingschwangerschaft sind vorzeitige Wehen, eine vorzeitige Öffnung des Muttermundes, Fruchtwasserveränderungen und auch das Risiko einer Frühgeburt ist gegenüber Einlingsschwangerschaften erhöht. Ungefähr ab der 24. Woche nimmt es zu. Weil die beiden Ungeborenen zwischen der 26. und der 28. Woche zusammen schon so viel wiegen wie ein einzelnes Kind bei der Geburt – also bis zu drei Kilogramm – steigt die Spannung auf die Gebärmutter an und vorzeitige Wehen drohen. Bedingt durch die Lage der beiden Babys kommt es auch häufiger zu einer Entbindung per Kaiserschnitt.

 

Welche Folgen kann die Mehrbelastung infolge der höheren Gewichtszunahme haben?

Eine genaue Kontrolle der Gewichtzunahme ist während der Schwangerschaft sehr wichtig, da sich dadurch Hinweise für den Verlauf der Schwangerschaft ergeben. Eine erhöhte Gewichtzunahme kann auch durch vermehrte Wassereinlagerungen des Gewebes bedingt sein. Bei entsprechender Veranlagung kann das zu Krampfadern führen. Deshalb rate ich den Frauen bei einer Zwillingsschwangerschaft generell, Anti-Thrombosestrümpfe zu tragen. So werden die Venen nicht so stark belastet und das Thromboserisiko sinkt. Viele Frauen empfinden das sogar als sehr angenehm.

 

Macht es eigentlich einen Unterschied, ob die Zwillinge zweieiig oder eineiig sind?

Ja, definitiv. Deutlich häufiger sind zweieiige Zwillinge. Das bedeutet, zwei Eizellen wurden von zwei Spermien befruchtet. Jeder Fötus hat infolge dessen seine eigene Plazenta und seine eigene Fruchthöhle. In manchen Fällen kann es aber sein, dass die Zwillinge nur eine Fruchthöhle oder nur eine Plazenta haben und sich diese teilen. Dies stellt der Arzt normalerweise beim Ultraschall zwischen der achten und zwölften Schwangerschaftswoche fest. Teilen sich die Babys beispielsweise eine Fruchthöhle, besteht die Gefahr, dass sich die beiden Nabelschnüre während der Geburt ineinander verhaken. Bei einer Spontangeburt kann das zu großen Problemen führen. Deshalb würde man hier zu einem Kaiserschnitt raten.

 

Immer wieder hört man auch vom fetofetalen Transfusionssyndrom. Was verbirgt sich dahinter?

In Fällen, in denen sich die Föten Plazenta und/oder Fruchthöhle teilen, können weitere Probleme in der Schwangerschaft oder bei der Geburt auftreten. Teilen sich die Föten eine Plazenta, haben aber getrennte Fruchthöhlen, besteht die Gefahr des sogenannten fetofetalen Transfusionssyndroms (FFTS). Dabei kommt es zum einseitigen Blutaustausch zwischen den Ungeborenen: Das eine gibt Blut ab, das andere nimmt es auf. Als Folge steigt die Fruchtwassermenge von letzterem stark an. Unbehandelt kann dieser Zustand zum Absterben der beiden Föten führen. Das Risiko eines fetofetalen Transfusionssyndroms beträgt bei eineiigen Zwillingen mit gemeinsamer Plazenta und getrennter Fruchthöhle rund zehn Prozent.

 

risiko-zwillingsschwangerschaft-kleinKlingt schrecklich!

Stimmt. Frauen mit dieser Föten-Konstellation werden im Allgemeinen sofort in ein Pränatal-Zentrum überwiesen. Erkennt und therapiert der Arzt das FFTS hingegen rechtzeitig, werden die Kinder in einem Großteil der Fälle gesund geboren. Die Behandlung besteht darin, die Gefäßverbindungen zwischen den beiden Föten mithilfe eines Lasers zu durchtrennen. Schwangere mit dieser Föten-Konstellation sollten deshalb alle zwei Wochen zur Kontrolle gehen. Glücklicherweise kommt diese Erkrankung äußerst selten vor. Im Allgemeinen verlaufen die meisten Zwillingsschwangerschaften komplikationslos.

 

Was kann man selbst tun, um den positiven Verlauf der Schwangerschaft zu unterstützen?

Hier gilt das gleiche wie bei einer Einlingsschwangerschaft: Grundsätzlich sollte man nicht rauchen und keinen Alkohol trinken. Gut ist es, sich gesund und vollwertig zu ernähren – mit viel Obst und Gemüse, damit eine Versorgung des ungeborenen Kindes mit Nährstoffen und Vitaminen sichergestellt wird. Empfehlenswert für Schwangere ist es, in Abständen von zwei Stunden kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, so dass ungefähr fünf bis sechs kleinere Mahlzeiten in den Tagesablauf einplant werden. Dabei ist der Kalorienbedarf einer Schwangeren meist nur geringfügig höher als vor der Schwangerschaft – etwa um 200 bis 300 Kalorien. Dieser Mehrbedarf an Kalorien stellt sich meist erst ab dem 4. Schwangerschaftsmonat ein. So sollte man den Spruch „Man muss für zwei essen“ nicht wörtlich nehmen. Dennoch sollte die werdende Mutter immer mit dem Bewusstsein essen, dass das Kind alles mitisst. Der Aufnahme von genügend Jod, Eisen und Folsäure kommt in der Schwangerschaft eine ganz besondere Bedeutung zu, da sie sowohl für die Mutter als auch für das Kind sehr wichtig sind. Die Schwangere sollte auch auf Calciumhaltige Lebensmittel achten und ausreichend von diesen zu sich nehmen, da Calcium für den Knochenaufbau des Babys von großer Bedeutung ist. Wichtig ist auch, genügend zu trinken, am besten Wasser oder ungesüßten Tee. Optimal sind zwei bis drei Mal in der Woche eine halbe Stunde Sport, etwa Walken, Wassergymnastik oder Radfahren.

 

Vermutlich sollte man sich im Alltag nicht überanstrengen.

Ja, definitiv. Gönnen Sie sich immer wieder kleine Pausen und legen Sie zwischendurch die Beine hoch. So unterstützen Sie Ihre Schwangerschaft optimal.

 

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Dr. Catherina Lomann ist Oberärztin der

Frauenklinik im Elisabeth-Krankenhaus in Essen.